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unsere zeit - Zeitung der DKP 16. März 2001
Karlsruhe

600 Polizisten "schützen" 20 Neonazis!

Der Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg - die Wahl findet am 25. März statt - bekam zeitweise sehr bizarre Züge. So in Karlsruhe, wo am 10. März die Stadt der NPD den Kronenplatz für eine Wahlkundgebung zur Verfügung stellte. In allernächster Nähe zu diesem Platz befand sich die von den Hitlerfaschisten 1938 zerstörte Synagoge.

Doch das war nicht die einzige Peinlichkeit an diesem Tag. Absperrgitter und sage und schreibe 600 Polizisten schirmten den Kronenplatz ab, auf dem sich schließlich ganze 20 Neonazis einfanden. Die Rede des NPD-Landesvorsitzenden Wendland ging im gellenden Pfeifkonzert Hunderter meist jugendlicher Antifaschisten unter.

Die andere Seite dieses 10. März in Karlsruhe: 3000 Menschen waren dem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbundes und weiterer 20 Organisationen gefolgt und demonstrierten gegen das Auftreten der Neonazis in ihrer Stadt. Es gehe darum, Gesicht zu zeigen und Solidarität mit den den jüdischen und ausländischen Mitbürgern zu üben, sagte die Karlsruher DGB-Vorsitzende Sabine Leidig. Man werde keine Nazi-Parolen dulden und die Bürgerinnen und Bürger ermutigen, bei der menschenverachtenden Hetze der Neonazis nicht wegzuschauen, so die DGB-Vorsitzende.

Die Karlsruher Rechtsanwältin Brigitte Kiechle vom Antifaschistischen Aktionsbündnis sagte, wer zu Rechtsradikalismus nein sage, muss auch zu staatlichem Rassismus nein sagen. Wer etwa in gute und schlechte Ausländer differenziere und in Folterländer abschiebe, lege die Grundlage für diejenigen, die damit ihr Süppchen kochen. Rechtes Gedankengut habe bereits auf Funktionsträger dieser Gesellschaft übergegriffen, kritisierte Kiechle.

Sylvia Schulze von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) zeigte sich empört, dass die Stadt den braunen Spuk und deren Aufzug genehmigt hatte.

(jW)

 

16.3.2001
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