Kundgebung gegen den Naziaufmarsch
in Karlsruhe
Redebeitrag von Arno Neuber für das Karlsruher
Friedensbündnis
Es ist schon bitter, wenn man in der gestrigen Ausgabe der Badischen
Neuesten Nachrichten lesen muss, dass die Kundgebung des Nazi-Terroristen
Christian Worch "unter dem Schutz des Grundgesetzes steht und deshalb von
der Polizei gesichert werden muss".
Und es ist bitter, wenn in demselben Artikel der CDU-Kreisverband die
Antifaschisten zu "friedlichem Protest" ermahnt und sich selber vor
dem Widerstand gegen die Neonazis drückt, vor lauter Angst dabei auch
Linke zu treffen.
Es ist bitter, wenn in dem genannten BNN-Artikel ständig diejenigen, die
aufstehen gegen rassistischen Terror und Nazi-Schläger der Gewalt
bezichtigt werden, aber nichts, aber auch gar nichts unternommen wird, um gegen
den Nazi-Aufmarsch mitten in unserer Stadt die Bürgerinnen und Bürger
zu mobilisieren.
Es ist bitter - aber es ist nicht neu. Und es hat Methode.
Es ist nicht wahr, dass unsere Verfassung dazu da ist, Nazischlägern ihre
rassistische, ausländerfeindliche Propaganda zu ermöglichen und ihr
öffentliches Auftreten zu sichern.
Im Gegenteil: Das Grundgesetz beinhaltet trotz aller Verschlechterungen
über die Jahre hinweg den antifaschistischen Grundkonsens, wie er nach
1945 für alle völlig logisch war: "Nie wieder Faschismus - nie
wieder Krieg."
Und deshalb gilt nach wie vor der Artikel 139 und alle Rechtsvorschriften zur
"Befreiung des deutschen Volkes vom Nationalsozialismus und
Militarismus", wie es dort heißt.
Damit sind alle Naziorganisationen und ihre Aktivitäten verboten. Es
braucht keinen Verbotsantrag - sie sind verboten. Und es ist höchste Zeit
für den "Aufstand der Zuständigen". Sie müssen dieses
Verbot durchsetzen. Die Polizei muss diesen und alle anderen Nazi-Umzüge
auflösen und nicht schützen!
Wo immer in diesem Land Nazi-Terror angesagt ist, ist der Führer
Christian Worch zur Stelle. Er war im Sommer 1992 in Rostock-Lichtenhagen, als
unter den Augen der Polizei und der Feuerwehr ein Wohnblock für
Flüchtlinge angezündet und der städtische
Ausländerbeauftragte gleich mitabgefackelt werden sollte. Er knüpft
das Nazi-Netzwerk mit Verbindungen in ganz Europa und er inszenierte die Farce
eines sogenannten Nationalen Ostermarsches im Ruhrgebiet, mit dem die
Friedensbewegung rechts unterwandert werden sollte.
Diesem neuen Führer der Nazi-Netzwerkes muss das Handwerk gelegt
werden!
Seit Jahrzehnten gibt es in diesem Land einen beständigen Bodensatz von
rassistischen, ausländerfeindlichen und antisemitischen Einstellungen bei
rund 15 Prozent der Bevölkerung. Abrufbar bei Wahlen für die
Rechtaußenparteien, aber auch bei entsprechender
ausländerfeindlicher Propaganda durch die Parteien der sogenannten
Mitte.
In den letzten Jahren gibt es allerdings ein Ausmaß des offenen Terrors
gegen Ausländer und Minderheiten, das einer Erklärung bedarf.
Ich meine, die tiefere Ursache ist im politischen Kurs der Berliner Republik zu
suchen. Wer Großmachtambitionen nachhängt und den Nationalismus
hoffähig macht, wer Menschen in solche, die "uns nützen und
solche, die uns ausnützen" selektiert, wer mit einer neuen Form der
Ausschwitz-Lüge den Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien rechtfertigt,
wer Milliarden in Spionagesatelitten und High-tech-Waffen investiert und
Eingreiftruppen für den Kampf um strategische Rohstoffe und Handelswege
ausrüstet, wer davon schwadroniert, dass das gewachsene Gewicht
Deutschlands in der Welt eben auch eine kampfstärkere Bundeswehr
benötige - der braucht sich doch nicht zu wundern, wenn Neonazis darin
ihre eigenen Programme erkennen und sich ermutigt fühlen.
Die Friedensbewegung hat eine Unterschriftenkampagne unter dem Titel
"Kriege verhindern - Einsatzkräfte auflösen" gestartet.
Ich will sie heute ergänzen, indem ich sage: Kriege verhindern und
Faschismus verhindern - deshalb Bundeswehreinsatzverbände auflösen
und Nazi-Organisationen auflösen.
Wir brauchen keine weltweiten Bundeswehreinsätze - wir brauchen mehr
Einsätze mit Zivilcourage gegen rassistische Gewalt und Nazi-Terror!
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