Rechte Gutachter im Verfahren "gegen" die NPD
Wer verfolgt, wie das Verbotsverfahren gegen die NPD läuft, macht sich so
seine Gedanken. Da ist nicht nur die innige Verquickung von neonazistischem
Führungspersonal und Verfassungsschutz - sondern auch das seltsame
Verständnis des 2. Senats des Bundesverfassungsgerichtes von sachkundigen
Gutachtern.
Der Berichterstatter des für das NPD-Verbotsverfahren zuständigen 2.
Senats ist der ehemalige Justizminister von Thüringen, Hans-Joachim
Jentsch (CDU). Er hat mit Professor Eckhard Jesse und Uwe Backes zwei Gutachter
bestellt, die "durch Verharmlosung rechtsextremer Umtriebe
aufgefallen" (Süddeutsche Zeitung v. 6.2.02) sind. Beiden wird laut
Süddeutsche Zeitung "ein unkritisches Verhältnis zur rechten
Szene nachgesagt".
Jesse, Politologe an der TU Chemnitz, fiel 1990 durch seine Angriffe auf den
früheren Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Heinz
Galinski, auf. So meinte er: "Auf Dauer dürfte Judenfeindlichkeit
nicht zuletzt gerade wegen mancher Verhaltensweisen von Repräsentanten des
Judentums an Bedeutung gewinnen." Rechtsextremismus ist für Jesse
"mehr Phantom als Realität". In einer
geschichtsrevisionistischen Aufsatzsammlung des Neu-Rechten Rainer Zitelmann
bezeichnete er Kritik am Antisemitismus als "hysterische Reaktion".
"In einem Artikel, den Jesse soeben in der 'Welt' publiziert hat,
behauptet er, dass die Gefahr von rechts hochgespielt, die von links dagegen
verharmlost werde." (SZ 6.2.02)
Uwe Backes ist Vize-Direktor des Hannah-Arendt-Instituts in Dresden. Dort hat
er sich dadurch hervorgetan, dass er sich für einen Aufsatz eines
Privatdozenten am Institut engagiert hat, in dem die moralische Berechtigung
des gescheiterten Attentates auf Hitler von 1939 bezweifelt wurde. Neuerdings
zieht Backes gegen "vergangenheitsfixierte Warner vor neuem
Nationalismus" zu Felde, die "vollmundige Bekundungen vom rechten
Rand für bare Münze" nehmen.
Backes und Jesse sind übrigens Herausgeber der Jahrbücher
"Extremismus & Demokratie", die von Schillys Innenministerium
finanziert werden. Darin soll gerne darüber geklagt werden, dass "der
Rechtsextremismus stigmatisiert, aber die Bekämpfung des Linksextremismus
vernachlässigt werde".
Wahrlich rechte Fachleute, die sich das Gericht da an Land gezogen hat.
Quelle: Heribert Prantl: "Karlsruhe macht den Bock zum Gärtner",
Süddeutsche Zeitung vom 6.2.2002
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