Kundgebung gegen den Naziaufmarsch
in Karlsruhe
Redebeitrag von Arno Neuber für das Karlsruher
Friedensbündnis
Über 100 Todesopfer neofaschistischer Gewalt seit 1990 - und noch
immer marschieren die braunen Banditen durch unsere Straßen.
Das NPD-Verbotsverfahren kommt nicht vom Fleck. Der Filz zwischen den
staatlichen Spitzelapparaten und den Neonazis ist so dicht, dass kaum noch zu
unterscheiden ist, wer hier wen ausforscht, benutzt oder steuert. Dazu kommt,
dass vom Bundesverfassungsgericht bestellte Sachverständige selber in
rechte Aktivitäten verwickelt sind
Der sogenannte "Aufstand der Anständigen" - von der
Bundesregierung propagiert - war nicht mehr als eine Sommerlochkampagne, um in
die Schlagzeilen zu kommen. Vor allem der "Aufstand der
Zuständigen" ist ausgefallen. Sie sehen immer noch am liebsten
weg.
Nicht einmal die Statistik rechter Gewalttaten stimmt. Es wird verschwiegen,
gedeckelt und geschönt. Polizei und Staatsanwaltschaften stricken oft
genug lieber an Einzeltätertheorien, als den braunen Sumpf trocken zu
legen. Der sogenannte "Verfassungsschutz" führt den Kalten Krieg
weiter und sieht die Gefahren vor allem links statt bei den braunen
Terror-Banden. Richter wissen nichts oder wollen nichts wissen vom
antifaschistischen Auftrag des Grundgesetzes und genehmigen Woche für Woche
die Aufmärsche der Nazis. Politiker fischen mit ausländerfeindlichen,
rassistischen und antisemitischen Sprüchen nach Wählerstimmen aus
braunen Tümpeln.
Bundeskanzler Schröder hat am 8. Mai - am Tag der Befreiung von Faschismus
und Krieg - nichts besseres zu tun, als mit Martin Walser
Nationalgefühlsduselei zu zelebrieren. Innenminister Schily klopft
Sprüche, die einst auf Neonazi-Transparenten zu lesen waren.
Möllemann treibt die Haiderisierung der FDP voran und mobilisiert das
antisemitsche Potential in diesem Land. Die CDU-Oberen kündigen eine neue
Kampane gegen Zuwanderung an.
Die rechte Welle kommt nicht von ungefähr. Seit der Wiedervereinigung wird
in diesem Land eine Politik betrieben, die alle Lehren der Geschichte in den
Wind schlägt.
Was unter Kohl und Genscher begonnen wurde, hat sich unter Schröder und
Fischer beschleunigt fortgesetzt. Die Berliner Republik meldet
Großmachtansprüche an. Zur Rechtfertigung deutscher Beteiligung am
NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien vor drei Jahren wurde eine neue Art von
Ausschwitz-Lüge in die Welt gesetzt.
Nach dem 11. September hat die Bundesregierung vor allem "Chancen für
eine Neupositionierung" deutscher Außenpolitik gewittert. Kanzler
Schröder hat die Politik militärischer Zurückhaltung als Zeit
der "sekundären Hilfsleistungen" denunziert, die nun
endgültig vorbei sei und die "Enttabuisierung des
Militärischen" propagiert.
Deutschland meldet weltweite Interessen an. An Rohstoffen, Absatzmärkten
und Handelswegen. Deutsche Politiker erklären den Kriegseinsatz der
Bundeswehr zum Normalfall und fordern Gleichberechtigung, wenn sie von Macht-
und Marktanteilen, von militärischen Kommandopositionen und
internationalen Protektoraten sprechen.
Schröder schlägt vor, deutsche Soldaten nach Israel und
Palästina zu schicken.
Immer deutlicher wird, dass die Bundesregierung sich auch an einem Krieg gegen
den Irak beteiligen wird. Dabei spielt es längst keine Rolle mehr, dass
dieser Krieg mit Terrorismusbekämpfung nichts, mit Erdölinteressen
aber sehr viel zu tun haben wird. Es spielt auch keine Rolle, dass die
US-Führung auch den Einsatz von Atomwaffen in die Diskussion gebracht hat
und in ihren Strategiepapieren verankert.
Nicht nur in der US-Führung wird von Angriffskriegen gegen missliebige
Staaten gesprochen und solche Kriege praktisch vorbereitet. Auch im Umfeld der
Bundesregierung wird über das Thema "Angriff ist die beste
Verteidigung" geredet und geschrieben. Im November will die NATO sich auf
ihrem Gipfeltreffen zum Weltpolizisten ernennen, der weder auf internationales
Recht, noch auf irgendwelche geografischen Beschränkungen Rücksicht
zu nehmen braucht. Und die Bundesrepublik wird dabei sein.
Die herrschende Politik in dieser Berliner Republik läuft darauf hinaus,
den starken Staat aus- und aufzurüsten, der nach außen und nach
innen das, was er "nationale Interessen" nennt, immer häufiger
mit Gewalt durchsetzt.
Dagegen müssen wir den gemeinsamen Widerstand setzen, das Bündnis der
verschiedenen Bewegungen und der unterschiedlichen politischen und sozialen
Erfahrungen.
Dem Bündnis von Gewerkschaftern, Globalisierungskritikern, Antifaschisten
und Kriegsgegnern ist es in den letzten Monaten mehrfach gelungen, große
Demonstrationen zu organisieren (z.B. beim Welt-Kriegs-Gipfel in München
und beim Bush-Besuch), den Widerstand zu bündeln und aus Resignations- und
Rückzugstendenzen neue Motivation entstehen zu lassen. Dieses Bündnis
müssen wir weiter ausbauen.
Gegen Neofaschismus, Rassismus und Antisemitismus.
Gegen Kriegspolitik und Demokratieabbau.
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