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8. Mai 2004:   Tag der Befreiung

Veranstaltungsreihe
von DGB, ver.di und VVN-Bund der Antifaschisten

Do | 6.5. | 1930 | Schauburg
DEFA-Film "Ich war 19"

anschl. Diskussion mit Wladimir Gall, Teilnehmer des Kampfes um Berlin 1945

Fr | 7.5. | 1600 | Kronenplatz/Brunnen
Antifaschistischer Stadtrundgang auf den Spuren des Dritten Reiches

mit Jürgen Schuhladen-Krämer

Fr | 7.5. | 1930 | DGB-Haus
"Parlamentär von Spandau"

Vortrags- und Diskussionveranstaltung mit Wladimir Gall
Kulturprogramm: Tilo Schirmer (Violine)


59. Jahrestag der Befreiung von Hitlerfaschismus und Krieg

Hat der 8. Mai, der Tag der Befreiung, nach fast 6 Jahrzehnten noch eine Bedeutung?

Dieser Tag mahnt für immer daran, was die Überlebenden der Konzentrationslager nach ihrer Befreiung geschworen haben:

"Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln und Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit."

Davon sind die hiesigen und die internationalen Verhältnisse weit entfernt. Im Gegenteil: Die Regierung der USA hat den Krieg wieder als Mittel der Politik auf die Tagesordnung gesetzt und wird dabei von Hilfstruppen aus vielen Ländern direkt oder indirekt unterstützt. Die Kriege im Kosovo, Afghanistan und Irak haben unermessliches Leid unter der Zivilbevölkerung verursacht und die Probleme dieser Länder nicht gelöst, sondern verschärft.

Die Bundesrepublik wird inzwischen "am Hindukusch verteidigt". Bereits 7400 Soldat/- innen der Bundeswehr sind an Auslandseinsätzen beteiligt. Die neuen "Verteidigungspolitischen Richtlinien" sind die Grundlage für den grenzenlosen Einsatz der Bundeswehr gegen alle erdenklichen Ziele in jeder erdenklichen Dauer mit jeder möglichen Intensität, obwohl das Grundgesetz den Einsatz der Streitkräfte nur zur Landesverteidigung zulässt. Neue Kriege werden immer bewusster zum Zwecke der Durchsetzung ökonomischer Interessen geführt. Mit der neuen EU-Verfassung soll gar eine Verpflichtung zur ständigen Aufrüstung festgeschrieben werden.

Aber auch der Widerstand gegen den Krieg ist angewachsen. Erinnert sei an den internationalen Protesttag am 15. Februar letzten Jahres mit Millionen von Teilnehmern. Immer stärker wird auch der Zusammenhang zwischen Sozialabbau und Aufrüstung bewusst, zuletzt beim europäischen Aktionstag am 3. April mit über einer halben Million Teilnehmern und bei den Ostermärschen. Nach Spanien wollen auch die Dominikanische Republik, Nikaragua, Honduras und Norwegen ihre Truppen aus dem Irak zurückziehen. Der Abzug aller Besatzungstruppen muss jetzt folgen, um eine friedliche Lösung zu ermöglichen.

Es bleibt dabei, dass ein Land, von dessen Boden in diesem Jahrhundert zwei Weltkriege ausgegangen sind, eine besondere Verantwortung für den Weltfrieden hat. Die eigene Geschichte darf nicht verdrängt werden, insbesondere nicht die Ursachen und die Folgen des letzten Weltkrieges, der von den Faschisten als verbrecherischer Eroberungskrieg um Vormachtstellung, Rohstoffe und billige Arbeitskräfte und als rassenideologischer Vernichtungskrieg gegen Juden und Slawen geführt wurde.



Wladimir Gall
vor der Spandauer Zitadelle
Wir freuen uns, für die Veranstaltungsreihe zum Tag der Befreiung in Karlsruhe einen Zeitzeugen jüdischer Abstammung begrüßen zu können, Wladimir Gall aus Moskau, der an der Befreiung von Berlin teilgenommen hat.

Er hat als Parlamentär der Roten Armee die kampflose Übergabe der Spandauer Zitadelle erwirkt und damit hunderten von Zivilisten das Leben gerettet. Seine mutige Tat bei der Befreiung ist Teil des autobiografischen DEFA-Films "Ich war Neunzehn" des bekannten DDR-Regisseurs Konrad Wolf.


Donnerstag, 6. Mai 2004 1930
in der "Schauburg", Marienstr., Karlsruhe.

"Ich war Neunzehn"

Film von Konrad Wolf
Anschließend: Diskussion mit Wladimir Gall

Die Filmhandlung:

Gregor Hecker, der junge Leutnant der Sowjetarmee und emigrierte deutsche Kommunist, entdeckt seine Heimat und seine Landsleute in den Tagen vom 16. April bis 3. Mai 1945. In der Ich-Form erzählt Gregor (Konrad Wolf) seine Erlebnisse in den letzten Tagen der Kampfhandlungen um Berlin und beim Neuaufbruch nach der Befreiung. Eine größere Szene ist der dramatischen Auseinandersetzung um die Übergabe der Spandauer Zitadelle, in der sich Wehrmacht- und SS-Einheiten mit Zivilisten verschanzt hatten, gewidmet.

Wladimir Gall über das Ende der Befreiungsaktion in der "Moskauer Deutsche Zeitung" vom 19. April 2002:

Nach einigen Stunden betreten Major Grischin und ich die Zitadelle – diesmal nicht (mit der Strickleiter) über den Balkon, sondern durch das entbarrikadierte Tor. Auf dem Festungshof sind Soldaten und Offiziere angetreten. Unsere MPi-Schützen führen sie zur Sammelstelle für Kriegsgefangene. Auf dem Hof sind auch viele Frauen, Kinder und Greise. Ihre Gesichter drücken Furcht und Bestürzung aus. Was erwartete sie jetzt? Sibirien? Der Tod? Über den Lautsprecher erteilen wir den Befehl: "Die Zivilisten dürfen die Festung verlassen und nach Hause gehen!" Ein lärmender bunter Strom strebt dem Tor zu. Eine junge Frau mit kleinem Kind im Arm hält vor uns. In ihren Augen stehen Tränen, als sie sagt: "Sie haben die Offiziere überredet, zu kapitulieren. Damit haben Sie uns und unseren Kindern das Leben gerettet. Danke." Diese Worte werde ich nie vergessen.

Kartenvorverkauf:

DGB-Büro: Ettlinger Str. 3a, 2. Stock,
900 - 1630
Tel. 0721-931210
ver.di-Haus: Rüppurrer Str. 1a, 7. Stock,
800 - 1630
Tel. 0721-3846 200 und 3846 205
VVN-BdA: VVN.KA@t-online.de Fax 0721-385403
Eintritt: 5 EUR


Freitag, 7. Mai 2004, 1600
ab Kronenplatz/Brunnen:

Antifaschistischer Stadtrundgang auf den Spuren des Dritten Reiches

mit Jürgen Schuhladen-Krämer.

Nachfolgend ausgewählte Stationen des antifaschistischen Stadtrundgangs:


Karlsruher Synagoge

Kronenplatz:
Unweit befindet sich die Universität (früher Technische Hochschule). Die Hochschulen waren damals ein Hort nationalistischen Gedankengutes.

Kronenstraße:
Ein Relief erinnert an die Synagoge der jüdischen Gemeinde, ihre Zerstörung in der Reichspogromnacht 1938 war das Fanal zur Ermordung aller Juden im NS-Machtbereich, über 1000 davon aus Karlsruhe.

Kaiserstraße:
In der heutigen Fußgängerzone stand von 1934 bis 1945 ein Denkmal, das einen SA-Schläger der "Kampfzeit" verherrlichte.

Schlossplatz/Marktplatz:
Am 10. Mai 1933 wurde der Marktplatz in Adolf-Hitler-Platz umbenannt, auf dem die meisten Aufmärsche inszeniert wurden, aber auch Verfolgte des Regimes in das Polizeipräsidium an der Ecke des Platzes getrieben. Auf dem Schlossplatz fand am 17. Juni 1933 die Bücherverbrennung statt.

Karl-Friedrich-Straße:
In einem Hinterhof befand sich die orthodoxe jüdische Synagoge, die am 8./9. November 1938 niedergebrannt wurde.

Friedrichsplatz:
Mit der Gleichschaltung der Länderparlamente nach den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 übernahmen die Nazis im badischen Ständehaus (heute Neubau Stadtbibliothek) endgültig die Macht in Baden. Das Bankhaus Straus & Cie. am Friedrichsplatz war einer der zahlreichen "arisierten" jüdischen Betriebe in der Stadt, vis à vis befand sich das Gebäude der DAF (Deutsche Arbeitsfront).

Kriegsstraße/Ritterstraße:
In der Hausnummer 26/28 hatte die NSDAP-Gauleitung ihr Quartier, später zusammen mit einer Abteilung der Gestapo; ein zentraler Ort der brutalsten Unterdrückung aller Regimegegner, ebenso wie der Repression gegen die in der Stadt ab 1939/41 eingesetzten tausenden ZwangsarbeiterInnen. Einer der Einsatzorte war die unweit gelegene "Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG".

Ettlinger Tor:
Unweit davon befand sich das alte Gewerkschaftshaus, das die SA am 2. Mai 1933 stürmte. Der weite Platz mit Ettlinger Straße sollte nach dem Willen der Nazis zu einer Germanopolis nach dem Muster der Speerschen Planung in Berlin werden.

Kreuzstraße/Markgrafenstraße:
Ein halb verwittertes Graffiti an einem Mauersockel zeugt vom Ende der geplatzten Großmachtträume Hitlerdeutschlands und von der Besatzungszeit. Ein Neubau an der Stelle gegenüber ist davon gezeichnet, dass faschistisches Gedankengut und Handeln auch heute noch Terror bedeuten.


Freitag, 7. Mai 2004, 1930
im DGB-Haus KA, Ettlinger Str. 3a

"Parlamentär von Spandau"

Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Wladimir Gall

Kulturprogramm: Tilo Schirmer (Violine)

Wladimir Gall stammt aus der ostukrainischen Metropole Charkow und hatte noch kurz vor dem faschistischen Überfall seinen Diplom-Abschluss als Dolmetscher für die deutsche Sprache in Moskau abgelegt. Er war zum Flak-Artilleristen ausgebildet, wurde aber wegen seiner Sprachkenntnisse an der Front für Lautsprechereinsätze eingesetzt ebenso wie Konrad Wolf. Er sagt dazu: "Der Hauptakzent war eigentlich, dass wir den deutschen Soldaten den Sinn, das wahre Wesen des Faschismus, des Nationalsozialismus zeigten und des Krieges." (D-Radio 23.01.03). Über seinen Freund Konrad Wolf schreibt er: "Gerade Konni und seinesgleichen ließen uns fühlen, dass es auch ein anderes Deutschland und andere Deutsche gibt." Nach dem Kriegsende wirkte er bis 1948 als Leiter der Kulturabteilung der Sowjetischen Militär-Administration (SMA) in Halle, unserer Partnerstadt. Über seinen Lebensweg hat er ein Buch geschrieben.

VVN-BdA
Vereinigung der Verfolgten
des Naziregimes -
Bund der Antifaschisten
DGB
Deutscher
Gewerkschaftsbund
ver.di
Vereinte Dienstleistungs-
gewerkschaft
8.5.2004
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