Gedenkveranstaltung
für die Opfer des Hitlerfaschismus
Sonntag, den 21. November 2004 (Totensonntag)
1100 Uhr
Gedenkstätte des Hauptfriedhofs Karlsruhe
Treffpunkt: 1045 Uhr am Eingang des Hauptfriedhofs
Ansprachen
Sybille Stamm
Landesbezirksleiterin ver.di Baden-Württemberg
Arno Neuber
Friedensbündnis Karlsruhe
Kranzniederlegung
am Mahnmal für die Opfer des Faschismus
am Gedenkstein für die sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen und
Zwangsarbeiter
Kulturprogramm
Marianne aus Pforzheim
Wir laden alle Mitglieder und FreundInnen der VVN-Bund der AntifaschistInnen,
alle FriedensfreundInnen, Demokraten und demokratischen Organisationen
freundlich zu dieser Gedenkveranstaltung ein.
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
Kreisvereinigung Karlsruhe
Wider Demokratie- und Sozialabbau -
die Geschichte mahnt unerbittlich
Die Wirklichkeit des Jahres 2004 in der Bundesrepublik erinnert in geradezu
erschreckender Weise an die letzten Jahre der Weimarer Republik, an all das,
was dem Faschismus vorausging und Nährboden für ihn war:
Wirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit, Demokratie- und Sozialabbau,
Großangriff auf in Jahrzehnten erkämpfte Arbeitnehmerrechte, Duldung
und Förderung von neofaschistischern Tendenzen, Schüren von Rassismus
und Nationalismus durch Asylgesetze und AusländerInnendiskriminierung,
Mordanschläge gegen angebliche Sündenböcke, Antisemitismus,
Militarismus und Großmachtstreben.
Neofaschisten in Landesparlamenten
Der Einzug der neofaschistischen Parteien NPD und DVU in die Landtage von
Sachsen und Brandenburg und die Ankündigung, bei den nächsten
Bundestagswahlen gemeinsam zu kandidieren, ist ein Alarmsignal für die
demokratische Öffentlichkeit. Verantwortlich für eine derartige
Entwicklung sind diejenigen, die nach dem vor drei Jahren geforderten
"Aufstand der Anständigen" nach kurzem öffentlichem Protest
gegen rechte Gewalt wieder zur Tagesordnung übergegangen sind.
3 Jahre nach "Aufstand der Anständigen"
Politik und Justiz bescheinigen Neofaschisten regelmäßig, ihre
menschenverachtende, rassistische und antisemitische Propaganda sei vom
Grundrecht auf freie Meinungsäußerung geschützt. Die Grundlage
für zunehmende Wahlerfolge der Nazi-Parteien ist allerdings in der Politik
sozialer Ausgrenzung großer Teile der Bevölkerung zu finden, die von
einer faktisch großen Koalition Rot-Grün/Schwarz-Gelb gegen die
Interessen von Millionen Bürgerinnen und Bürgern durchgesetzt wird.
Wer den Protest gegen Hartz IV, gegen immer weitere Umverteilung von unten nach
oben, gegen Kriegspolitik, Bildungsmisere und Demokratieabbau als
undemokratisch diffamiert, der leistet faschistischer Sozialdemagogie
Vorschub.
Weg in den autoritären Staat
Die Gesetzespakete "Schily I" und "Schily II", die
ausländerrechtlichen Verschärfungen im Zuwanderungsgesetz, die
umfassenden Befugnisse für die Geheimdienste und die Vermischung von
Verfassungsschutz und Polizei (als hätte es eine Gestapo nie gegeben), die
verdachtsunabhängigen Kontrollen und die Videoüberwachung, die
Ausdehnung statt Abschaffung des großen Lauschangriffs sowie die
Wiederaufnahme der unsäglichen Berufsverbotepraxis sind keine
Zufallsprodukte. Diese Politik bedeutet: Repression nach Innen, Abschottung
nach Außen und führt direkt in einen autoritären Staat.
Faschismus kam nicht über Nacht
Die Antifaschisten sind nie müde geworden, die geschichtlichen Mahnungen
ins Bewusstsein zu rufen: Der Faschismus kam nicht über Nacht. Diese
Mahnungen sollen aus dem öffentlichen Bewusstsein getilgt werden. Deswegen
wird regierungsamtlich die Entsorgung des Faschismus betrieben, der
Antifaschismus denunziert und diffamiert und durch die Gleichsetzung von
Tätern und Opfern kriminalisiert. Dabei geht es insbesondere auch um das
Ausblenden von den gesellschaftlichen Ursachen, die zum Aufstieg der NSDAP, zu
Krieg und Völkermord führten.
Profiteure gestern und heute
Die Profiteure dieser Politik, die Banken und Konzerne, die heute wieder
ökonomisch führend sind und an der Zerstörung der Weimarer
Republik aktiv beteiligt waren, sollen aus der öffentlichen Wahrnehmung
verdrängt werden. Die ungebrochene Anknüpfung an die Traditionen der
Täter durch die militärische Traditionspflege führt dazu, dass
mit einer so bereinigten Geschichte die Bundeswehr weltweit eingesetzt werden
kann, auch an den Einsatzorten der Wehrmacht. Mit der Propagierung eines Bildes
der Deutschen als Opfer des Bombenkrieges, der alliierten Besatzung und
"Vertreibung" verschwinden Fragen nach der gesellschaftlichen
Verantwortung und den Folgen der faschistischen Verbrechen.
Eine andere Welt ist möglich und nötig
Die gebetsmühlenhaft vorgetragene Botschaft, es gebe keine Alternative zum
Sozialabbau, wenn die deutsche Wirtschaft "wieder Tritt fassen will"
oder um den "Standort Deutschland" zu erhalten, trägt das ihre
dazu bei, den Nährboden für neofaschistische Parolen zu schaffen.
Eine entsorgte Geschichte und Angst vor dem gesellschaftlichen Abseits bei
Millionen von Menschen, da können Nazis ansetzen.
Antifaschismus notwendiger denn je
Der Antifaschismus ist zur bitteren Notwendigkeit für die Verteidigung der
Demokratie und der Menschenwürde geworden. Der Opfer des Hitlerfaschismus
gedenken, heißt heute, gemeinsam über weltanschauliche und
politische Unterschiede hinweg den Abmarsch in einen autoritären Staat zu
verhindern und gegen Nazismus, Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und
Militarismus zu kämpfen.
V.i.S.d.P.: VVN-Bund der Antifaschisten, S. Schulze
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9.11.2004
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