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19.11.2010

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Hitlerfaschismus

Sonntag, den 21. November 2010 (Totensonntag)
11.00 Uhr, Gedenkstätte des Hauptfriedhofs Karlsruhe
Treffpunkt: 10.45 Uhr am Eingang des Hauptfriedhofs

Ansprachen

Hans-Peter Goergens
Ausländerinitiative Offenburg, VVN-Bund der AntifaschistInnen

Jürgen Schuhladen-Krämer
Historiker

Kranzniederlegung

am Mahnmal für die Opfer des Faschismus

am Gedenkstein für die sowjetischen und polnischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter

Kulturprogramm

Marianne Hangstörfer
Gesang und Gitarre

Wir laden alle Mitglieder und FreundInnen der VVN-Bund der AntifaschistInnen, alle FriedensfreundInnen, Demokraten und demokratischen Organisationen freundlich zu dieser Gedenkveranstaltung ein

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Kreisvereinigung Karlsruhe

Aus Karlsruhe über Gurs in den Tod

Im Oktober 1940 begannen die Deportationen der badischen und saar-pfälzischen Juden

Wenn wir am Totensonntag der Millionen Opfer des Hitlerfaschismus gedenken, erinnern wir uns dieses Jahr auf dem Jüdischen Friedhof besonders an die Deportation der badischen und saarpfälzischen Juden in das Internierungslager Gurs im unbesetzten Frankreich am 22. Oktober 1940.

An einem einzigen Tag wurden nahezu alle noch nicht vertriebenen und geflohenen jüdischen Menschen, über 6.500, in einer bis in das Kleinste geplanten Aktion frühmorgens aus ihren Häusern geholt, zu den Bahnhöfen getrieben und in Waggons gepfercht. Aus Karlsruhe über 920 Menschen.

Hier im Südwesten begannen die Nazis, Deutschland "judenfrei" zu machen. Noch stand das Millionenmordprogramm nicht, noch gab es keine Gaskammern in Auschwitz. Doch was 1933 mit Ausgrenzung und Diskriminierung begonnen hatte, mit Entrechtung und Verdrängung aus der wirtschaftlichen Existenz weitergeführt und am 9. November 1938 in ein Pogrom gemündet war, wurde systematisch auf die Spitze getrieben.

Während das kollaborierende, antirepublikanische und antisemitische Vichy-Regime die in den Lagern Internierten unter katastrophalen Verhältnissen vegetieren ließ, raubte das NSRegime deren zurückgelassene Habe in Deutschland.

In Gurs starben über 1.000 Menschen an Hunger, Entkräftung und Krankheit. Eine Überlebende nannte es die "Vorhölle von Auschwitz". Nur ganz wenigen gelang es aus den Lagern legal über das Nadelöhr neutraler Staaten doch noch dem Naziterror in Europa zu entkommen.

Hilfs- und Widerstandsorganisationen, kirchliche Kreise, mutige Einzelne, konnten Kinder der internierten deutschen Juden aus den Lagern befreien, sie in Heimen und bei Familien unterbringen. Diese Kinder versteckten sie zum großen Teil nach der vollständigen Besetzung Frankreichs im November 1942 oder verhalfen ihnen zur Flucht in die Schweiz. So überlebten zahlreiche jüdische Kinder aus Baden, deren Eltern ausnahmslos ermordet wurden.

Wir Nachgeborene sehen darin Beispiele für Widerstand, Mut und Humanität.

Nach Verhandlungen der SS mit Vichy rollten seit Juli 1942 über Paris-Drancy die Vernichtungszüge in den Tod nach Auschwitz. Insgesamt über 70.000 deportierte Juden aus Frankreich, darunter mehr als 5.500 der badischen und saar-pfälzischen Juden. Diejenigen Kinder, die Gurs und die anderen Lager überstanden hatten, waren zu Waisen geworden. In Deutschland war das jüdische Leben und Kultur vernichtet worden. Dieses Geschehen niemals zu vergessen und über die Ursachen zu sprechen, darin liegt unsere Verantwortung heute.

Lehren aus der Geschichte zu ziehen heißt, sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen.

Aus der Geschichte ziehen wir die Konsequenz und sehen uns damit in der Verantwortung gegenüber den Überlebenden des KZ Buchenwald und ihrem Schwur:

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

Lehren zu ziehen bedeutet auch, jeder Stigmatisierung, Diskriminierung von Anderen und Minderheiten entgegen zu treten.

Der Rassismus ist nicht mit der Befreiung vom Faschismus verschwunden. Es liegt an uns, ihn zu bekämpfen!

VVN-BdA Karlsruhe
© DKP Karlsruhe