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Arno Neuber

Mit Spezialdivisionen auf der NATO-Überholspur

Deutsche Generale schaffen sich eigene Eingreiftruppe

Der Umbau der Bundeswehr zur Interventionsarmee wird mit Macht vorangetrieben. Dazu werden die Eingreifkräfte mit 150.000 Soldaten nahezu verdreifacht. Der scheidende Chef des Heeres, Generalleutnant Helmut Willmann, sieht die deutschen Interventionstruppen innerhalb der NATO bereits "auf der Überholspur". Der Stolz des Generals sind die neu aufgestellten Spezialdivisionen DLO und DSO.

Die 7.400 Soldaten umfassende "Division für Spezialoperationen" (DSO) soll gegen "verdeckt operierende Gegner", gegen "Terroristen und Partisanen" ebenso wie zu "Angriffen auf normale Heeresverbände" eingesetzt werden. Zu ihrem Auftrag gehören das "Ausheben von Befehlszentralen", Spionage und Sabotage. Zur DSO gehören das Kommando Spezialkräfte in Calw und zwei Luftlandebrigaden des Heeres. Das zuständige Divisionskommando wird in Regensburg stationiert.

Unterstützt wird dieser Spezialverband von einer eigenen "Division für luftbewegliche Operationen" (DLO). Auftrag der 9.800 Soldaten starken und ab 2004 mit dem Transporthubschrauber NH 90 und dem Kampfhubschrauber Tiger ausgerüsteten Einheit: Sie soll dazu befähigt werden, "hinter den feindlichen Linien die Logistik zu zerstören" (FR 25.10.00). Zur DLO gehört die Luftmechanisierte Brigade in Fritzlar. Sie bildet "eine Schwerpunktwaffe des deutsches Heeres", die mit den neuen Hubschraubern fähig sein soll, "mit vergleichsweise geringen, rasch verfügbaren Kräften politische und militärische Entschlossenheit zu demonstrieren und - wenn notwendig - unsere Absichten auch durchzusetzen", wie ihr Kommandeur stolz berichtet (Europäische Sicherheit 3/2001). Das DLO-Kommando wird im fränkischen Veitshöchheim untergebracht. Eine mögliche Verlegung nach Hessen wird derzeit geprüft.

Mit beiden Truppenteilen und den dazugehörigen Divisionsstäben verschafft sich die Bundeswehrführung ganz nebenbei eine Elitetruppe unter rein nationalem Kommando, ein - wie Generalinspekteur Kujat hervorhebt - "hochwirksames Instrument der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik". Nur die fünf mechanisierten Divisionen, die die sog. "Einsatzkräfte" des Heeres bilden, sind nämlich in NATO-Strukturen eingebunden. "Mit der DSO wird Deutschland über ein wirksames nationales Krisenbewältigungsinstrument in Divisionsstärke verfügen, das bei Bedarf auch im multinationalen Rahmen eingesetzt werden kann", erklärte General Willmann in der Zeitschrift "Wehrtechnik" (IV/2000).

Damit wird jetzt präzisiert, was in Scharpings Eckpfeiler-Papier zum Umbau der Bundeswehr vom Juni des vergangenen Jahres so formuliert war: "Deutsche Streitkräfte müssen ... die erfolgreiche Durchführung eigener sowie bündnisgemeinsamer oder europäischer Einsätze ebenso sicherstellen wie Einsätze im Rahmen von ad-hoc-Koalitionen."

Gleichzeitig baut die Luftwaffe in Kalkar das "Kommando Operative Führung Luftstreitkräfte" auf. Damit wird den deutschen Generälen erstmals nach 1945 eine eigene Kommandozentrale für Luftwaffeneinsätze zur Verfügung stehen, und zwar sowohl für "begrenzte nationale Einsätze", als auch zur "Führung von Luftstreitkräften im Rahmen multinationaler Einsätze außerhalb der etablierten NATO-Kommandostruktur" (Luftwaffeninspekteur Porz in "Wehrtechnik" IV/2000) oder als Befehlszentrum für eine europäische Luftflotte im Angriff.

Dieser militärische Ehrgeiz hat seinen stolzen Preis. Die Beschaffungsliste für die Ausrüstung und Bewaffnung der Interventionstruppen, die Generalinspekteur Kujat Ende März dem Verteidigungsausschuss präsentierte, beläuft sich auf 220 Milliarden DM in den nächsten 15 Jahren (Spiegel 2.4.01).

 

04/2001
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