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Arno Neuber
Deutsche Truppen für die UNO
Es geht um Interessen, nicht um Friedensmissionen
"Verteidigungs"minister Scharping hat der UNO deutsche Soldaten
für das sogenannte "Standby Arrangements System" angeboten. Im
Bedarfsfall soll die UNO damit auf Transportmittel der Bundeswehr
(Hubschrauber, Mittel- und Langstreckenflugzeuge, Lastwagen), Fernmelder,
Pioniere, Stabspersonal, Feldjäger, Sanitätspersonal und
Militärbeobachter zugreifen können. Die Bundeswehr verpflichtet sich,
Personal, Ausrüstung und Waffen innerhalb von 15 bis 30 Tagen an den
jeweiligen Einsatzort zu verlegen.
Scharping ließ es sich nicht nehmen, das Angebot als "wichtiges
außenpolitisches Signal" zu bezeichnen, das angeblich die Bedeutung
unterstreicht, "welche die Bundesrepublik Deutschland den Vereinten
Nationen beimisst."
Tatsächlich dürfte es aber eher den Anspruch der deutschen Politik
unterstreichen, sich für einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat zu
empfehlen und dem Ziel dienen, deutsche "Einflussmöglichkeiten auf
die Gestaltung der internationalen Sicherheitsordnung" zu erweitern, wie
es in Scharpings "Eckpfeiler-Papier" für den Umbau der
Bundeswehr zur Interventionsarmee heißt.
"Deutsche Streitkräfte ... müssen qualitativ und quantitativ
dem politischen Gestaltungsanspruch und Gewicht Deutschlands im Bündnis
sowie in den regionalen und überregionalen Organisationen
entsprechen." Wer Gestaltung durch Macht ersetzt, weiß, wozu die
Bundeswehr künftig da sein soll.
Einsätze im Auftrag der UNO waren der Türöffner für die
Militarisierung deutscher Außenpolitik, ein Feigenblatt, das eigene
Macht- und Wirtschaftsinteressen verdecken sollte.
Wo die Musik tatsächlich spielt, dürfte spätestens mit der
deutschen Beteiligung am NATO-Krieg gegen Jugoslawien deutlich geworden sind.
Die NATO-Staaten haben sich selbst das Mandat zur Militärintervention
erteilt und einen Präzedenzfall geschaffen, wie sie künftig eigene
Interessen durchzusetzen gedenken. Der UNO ist dabei die Rolle des Abnickers
zugedacht.
Zu den Gepflogenheiten deutscher Außenpolitik gehört es, sich
alle Optionen zur Erreichung eigener Ziele offen zu halten. So fordert
Scharping von seinen Soldaten künftig, dass sie "die erfolgreiche
Durchführung eigener sowie bündnisgemeinsamer oder
europäischer Einsätze ebenso sicherstellen wie Einsätze im
Rahmen von ad-hoc-Koalitionen." (Eckpfeiler-Papier)
Dazu werden die Einsatzkräfte auf ca. 150.000 Soldaten nahezu
verdreifacht, die Armee professionalisiert (mehr Zeit- und Berufssoldaten -
weniger Wehrpflichtige) und die entsprechenden Rüstungsvorhaben
vorangetrieben.
Parallel zu den Bemühungen, sich im engeren Führungskreis der NATO
zu etablieren, unterstützen Scharping, Schröder und Fischer massiv
die Planungen zum Aufbau einer eigenen EU-Eingreiftruppe und damit
Bestrebungen, die militärische Dominanz der USA zu brechen. Beim Treffen
der EU-Kriegsminister am 22. September in der Nähe von Paris hatte
Scharping erklärt, Deutschland werde künftig 54.000 Soldaten für
ein europäisches "Instrument zur Projektion von Macht" (FAZ v.
25.9.00) bereithalten. Davon sollen 18.000 Soldaten sofort zur Verfügung
stehen, der Rest dient als Ablösung bei einer geplanten Einsatzdauer von
12 Monaten.
Scharping und sein neuer Generalinspekteur Kujat drücken beim Umbau der
Truppe mächtig aufs Tempo. Ende September wurde eine sogenannte
"Grobausplanung für die Neuausrichtung" der Bundeswehr
beschlossen. Aus diesem Papier geht hervor, dass es künftig nicht allein
bei der Guerillatruppe "Kommando Spezialkräfte" bleiben soll.
Vielmehr wird es eine ganze "Division für spezielle Operationen
(DSO)" geben mit 7.400 Soldaten und zusätzlich eine "Division
für luftbewegliche Operationen (DLO)" in der Stärke von 9.800
Mann und Frau. Für die DSO sind die Einsatzoptionen ähnlich
nebulös formuliert wie für das Calwer Spezialkräfte-Kommando.
"Schutz der eigenen Truppe vor verdeckt operierenden Gegnern"
gehört dazu, was man z.B. mit Partisanenbekämpfung übersetzen
könnte, oder die "Aufklärung auf feindlichem Territorium".
Die Soldaten der DLO werden dafür ausgerüstet, um "hinter den
feindlichen Linien die Logistik zu zerstören". Nach Aussagen des
Heeres-Chefs Helmut Willmann ist man damit innerhalb der NATO "auf der
Überholspur" (FR 25.10.00).
Bei aller Gemeinsamkeit zwischen den Parteien der derzeitigen und der
vormaligen Bundesregierung, gab es an Scharpings UNO-Zusagen Kritik aus FDP und
CSU. Dabei geht es vor allem um die Sorge des rechten Lagers, SPD und
Grüne könnten im Übereifer die Möglichkeiten der Bundeswehr
überdehnen. Sie wollen klare Priorität für nationale Interessen
vor einem "Automatismus", nach dem "die UNO jederzeit
Friedenstruppen aus Deutschland anfordern könne" (Die Welt v.
4.11.00). Da allerdings rennen sie wieder einmal bei Scharping, Schröder,
Fischer ∓ Co. offene Türen ein.
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