|
Redebeitrag von Arno Neuber
für das Karlsruher Friedensbündnis:
Gedenkveranstaltung am Totensonntag 2002 Hauptfriedhof Karlsruhe
In dieser Woche hat die NATO in Prag getagt und ihre Erweiterung bis ins
Baltikum, an die Grenzen von Russland beschlossen.
Die Staatschefs und Kriegsminister trafen sich an historischer Stätte und
die Presse meldet es mit Süffisanz. An gleicher Stelle hatte zu Beginn der
90er Jahre der Warschauer Vertrag seine Selbstauflösung beschlossen. Die
Herren der NATO achten sehr auf Symbole. Dieses lautet übersetzt: Die NATO
hat gesiegt - die neuen Kriege werden vorbereitet.
In Prag wurden sie vorbereitet mit der weitreichenden Angleichung der
NATO-Strategie an entsprechende Planungen der Bush-Regierung in Washington.
Eine Ära von Angriffskriegen ist eingeleutet unter dem uralten
Militaristenmotto, dass Angriff die beste Verteidigung sei.
Es wurde die Aufstellung einer schnellen Eingreiftruppe aus 20.000
Elitesoldaten beschlossen, die von den europäischen Staaten finanziert und
aufgestellt, von amerikanischen Generälen kommandiert werden wird.
Die Frankfurter Rundschau (22.11.02) schreibt von einer Truppe, "die als
erste auf feindliches Gelände vorstößt" und die
Frankfurter Allgemeine (22.11.02) von einem "Expeditions-Korps für
weltweite Kampfeinsätze".
Bereits im Herbst 2004 soll die Truppe - wenn auch noch nicht mit kompletter
Ausrüstung - losmarschieren, also einmarschieren können.
Bundeskanzler Schröder hat dieser Truppe zugestimmt, die Bundesregierung
hat nur drei "Bedenken" zu Protokoll gegeben. Sie betreffen die
finanziellen Nöte der Regierung, den Wunsch nach Einstimmigkeit aller
NATO-Staaten bei der Entscheidung über den Kriegseinsatz der neuen Truppe
und den Hinweis, dass in Deutschland das Parlament über
Kriegseinsätze der Bundeswehr abstimmt.
Kein Wort über das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, das bereits
die Vorbereitung eines Angriffskrieges unter Strafe stellt.
Was die Vorbehalte der Berliner Regierung wert sind, wird auch deutlich, wenn
man weiss, dass in aller Stille bereits für das nächste Jahr ein
sogenanntes "Entsendegesetz" vorbereitet wird, das den Bundestag
entmachten und die Entscheidung über Bundeswehreinsätze der Regierung
überlassen soll.
Zu Prag wurde auch deutlich, wie tief die Bundesrepublik bereits in die
Kriegsvorbereitungen der USA gegen den Irak verstrickt sind.
Die Fuchspanzer in Kuwait werden nicht abgezogen, sondern ihre
Einsatzbereitschaft wird laut Verteidigungsminister Struck wieder
hergestellt.
Die USA werden deutschen Luftraum auf dem Weg in den Nahen Osten nutzen
dürfen. Von Deutschland werden Truppen ins mögliche Kriegsgebiet
verlegt. "Die Bewegungsfreiheit unserer Freunde wird nicht
eingeschränkt", sagt der Kanzler. Die USA wollen auch deutsche Hilfe
bei ihrer Verlegung - und sie werden sie bekommen. So wie die Deutsche Bahn
schon seit Wochen US-Kriegsmaterial durch das Land fährt.
Deutschland wird die Führung der Afghanistan-Schutztruppe übernehmen
und die USA so für den nächsten Krieg entlasten. Die deutsche Marine,
angeblich im Antiterroreinsatz rund um die arabische Halbinsel und Ostafrika,
soll US-Kriegsschiffen Geleitschutz gewähren und Bundeswehrsoldaten in
NATO-AWACS-Maschinen werden für die Luftaufklärung sorgen.
Immer wieder wird gemeldet, dass Deutschland bereit wäre, seinen Beitrag
zum "day after", zum Wiederaufbau eines kriegszerstörten Irak zu
leisten und auch Truppen für eine langfristige Besetzung des Landes zu
stellen.
Heute morgen wird gemeldet, dass die USA von der Bundesregierung
"Patriot"-Raketen angefordert habe und dass sie, mit Hinweis auf die
Sicherheit Israels, wohl geliefert werden. 1
Deutschland steckt also mitten drin in diesem geplanten Krieg um Öl,
Profit und Macht und die Erklärungen seiner Regierung, sich nicht
beteiligen zu wollen, stehen dazu in schrillem Kontrast. Nicht unerwähnt
bleiben darf hier natürlich die Haltung der CDU, z.B. Schäubles
"Der Kanzler fällt um - und zwar in die richtiger Richtung", der
es mit Marschieren und Bomben gar nicht schnell genug gehen kann.
Der Beitrag Deutschlands für einen Krieg gegen den Irak ist den USA
wichtig. Deshalb haben wir auch eine große Chance, die Kreise der
Bush-Krieger zu stören, indem wir unseren eigenen Herren auf die
Füße treten.
Wir rufen euch deshalb zur Demonstration des Friedensbündnisses am 14.
Dezember, 12:00 Uhr ab Stephanplatz auf. Für den 8. Februar 2003
mobilisieren wir zur Großdemonstration nach München. Dort tagt der
Gipfel der Welt-Kriegselite, die frühere Wehrkunde-Tagung. Und am 15.
Februar werden die europäischen Hauptstädte, ausgehend vom
europäischen Sozialforum, machtvolle Demonstrationen gegen den Terror des
Krieges erleben.
Wir bitten darum, diese Aktionen nach Kräften zu unterstützen.
| 1 |
Am Nachmittag wurde diese Anforderung der USA von Verteidigungsminister
Struck dementiert. Die nächsten Tage werden zeigen, was stimmt.
|
|