|
Rede des Vertreters der
Irakischen Kommunistischen Partei in der BRD:
Demo des Karlsruher Friedensbündnisses
Liebe Genossinnen und Genossen,
liebe Freundinnen und Freunde,
Vor über 30 Jahren hat die Baath-Partei des Diktators Saddam Hussein
die Macht im Irak durch einen Militärputsch an sich gerissen. Seit
über 30 Jahren herrscht im Irak die Diktatur einer Partei und seit Ende
der 70er Jahre herrscht die Diktatur einer Person, die Diktatur von Saddam
Hussein.
Saddam Hussein ist ohne Zweifel einer der brutalsten und
gefährlichsten Diktatoren seit dem 2. Weltkrieg. Er begann mit der
Gleichschaltung der Medien und Massenorganisationen und anderer Institutionen
des öffentlichen Lebens, dann verfolgte und terrorisierte sein Regime die
politischen Parteien und Organisationen. Ende der 70er Jahre hatte eine Welle
von gezieltem Terror und Liquidierungen unsere Partei erreicht. Hunderte
Kommunistinnen und Kommunisten wurden verschleppt, hingerichtet und
terrorisiert, ihre Angehörigen wurden verhaftet, gefoltert oder
deportiert.
Auch heute werden im Rahmen der sogenannten "Aktion zur Säuberung
der Gefängnisse" Hunderte von politischen Gefangenen und kritischen
Menschen hingerichtet.
Die guten Beziehungen zwischen der Baath-Partei im Irak und den USA haben
Tradition. Diese ehemals kleine Gruppe der Baathisten wurde 1963 durch die
logistische und organisatorische Unterstützung der CIA an die Macht
gebracht. Die USA sahen damals in dieser Partei die beste Möglichkeit, um
ein Bollwerk gegen die Erfolge der Demokraten und Kommunisten zu setzen.
Ohne Zustimmung und direkte Beteiligung vom Westen wäre es dem
irakischen Regime nicht gelungen, seinen militärischen Apparat aufzubauen.
Ohne Lieferungen aus dem Westen hätte die militärische Industrie
für die Herstellung von Kampfmitteln und Kampfausrüstungen nicht
entwickelt werden können. Bis zum Überfall auf Kuwait waren die
Hauptlieferanten die USA und US-Firmen neben Frankreich, Großbritannien
und Deutschland.
Unsere Partei kämpft seit Jahren für die Beseitigung der Diktatur
und gegen das Regime von Saddam. Wir, die kommunistische Partei Iraks, haben
von Anfang an auf die Gefahren und die Bedrohung, die dieses Regime bedeutet,
gewarnt. Unsere Appelle und Rufe blieben ungehört. Umgekehrt: das
irakische Regime war Verbündeter des Westens und wurde massiv auch von den
USA unterstützt, So hätte z.B. das Regime den 8-jährigen Krieg
gegen den Iran ohne die massive Unterstützung der USA nicht
überlebt.
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Aufteilung des
sozialistischen Lagers in Osteuropa haben sich auch die Prioritäten und
Schwerpunkte der US-Interessen verschoben.
Die USA haben Jahrzehnte lang die reaktionärsten und despotischsten
Regime und Organisationen in der Region unter dem Deckmantel der
Kommunismusbekämpfung unterstützt und gedeckt. So war es auch bis vor
kurzem im Irak oder mit der Koranschulenbewegung in Afghanistan, also der
Taliban-Bewegung. Dies ist gegenüber der Weltöffentlichkeit nicht
mehr haltbar.
Es passt aber auch nicht in das Konzept der USA, im Nahen Osten stabile
demokratische Systeme zu unterstützen. Viele verbündete Regierungen
in der Region sind weder demokratisch noch in ihrer Bevölkerung von der
Mehrheit getragen.
Die USA versuchen jetzt, für künftige Eventualitäten
gerüstet zu sein, indem sie versuchen, mögliche revolutionäre
Bewegungen in diesen Staaten zu kanalisieren und so einer Umwälzung zu
begegnen. Dies ist ein wichtiger Teil der US-Strategie für den Nahen
Osten.
Auch für den Irak sind viele solcher US-Pläne bekannt geworden.
Dazu zählen z.B. das sogenannte "Gesetz zu Befreiung Iraks" vom
Jahr 1997, die selektive Unterstützung von einigen Oppositionsgruppen oder
die Gründung von Auslandsgruppen. Alle diese Massnahmen haben eins zum
Ziel und zwar die absolute Loyalität zu den USA zu sichern und damit die
Interessen der US durchzusetzen. Der artige Pläne laufen dem legitimen
Interesse des Irakischen Volkes auf ein stabiles föderatives politisches
System für die zukünftige Irak zuwider. Deswegen ist unsere Partei
gegen solche Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Opposition.
Liebe Friedensbewegte,
liebe Antikriegsfreunde,
Die KP Irak sagt Nein zu dem bevorstehenden Krieg -
- Nicht aus Sorge um das Terrorregime von Saddam Hussein.
- Wir sagen Nein zu diesem Krieg, weil er, wie der Krieg von 1991, zu einer
menschlichen Tragödie für die einfache und wehrlose Bevölkerung
führen wird.
- Wir sagen Nein zu diesem Krieg, weil die Lebensgrundlage, die Infrastruktur
des Landes, noch mehr zerstört wird.
- Wir sagen Nein zu diesem Krieg, weil es nicht um Menschenrechte und
Demokratie geht. Es geht um Öl und Absatzmärkte.
Liebe Freunde,
- Wir sagen Nein zu diesem Krieg, weil wir Alternativen zum Krieg sehen. Das
Bedrohungspotenzial, das vom irakischen Regime ausgeht, muss anders beseitigt
werden.
Der Alternativ-Weg zum Krieg von Aussen geht über die Innenkräfte
im Irak. Nur so ist es möglich, einen dauerhaft stabilen, demokratischen
und friedfertigen Irak aufzubauen.
Die Iraker und Irakerinnen, die seit vielen Jahren im Kampf gegen das
Saddam-Regime sind, müssen unterstützt werden.
Wir fordern:
- Ächtung des Regimes und Einfrieren der Mitgliedschaft in der UNO und
anderen Organisationen und Gremien.
- Diplomatische Anerkennung der Oppositionsgruppen, die über historische
Verwurzelung im Irak verfügen und die sich zum demokratischen Pluralismus
bekennen.
Wir apellieren an die deutsche Öffentlichkeit und Friedensbewegung und
wir finden es wichtig, im Kampf gegen den Krieg das irakische Regime und die
Frage nach Demokratie nicht zu vernachlässigen. Wir bitten um
Unterstützung für beide Aspekte:
- zum Krieg,
- zur Diktatur im Irak.
Ich danke Euch.
|