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Arno Neuber
Die Flotte als Instrument – Kampfeinsatz im Libanon
Weltpolitik als Aufgabe, Weltmacht als Ziel und die Flotte als Instrument, war
einst Kaiser Wilhelms Programm. Auch beim ersten Nahost-Einsatz der Bundeswehr
seit Rommels Afrika-Feldzug soll die Marine als Instrument deutscher
Außenpolitik dienen.
Nachdem wochenlang der Bundeswehreinsatz geschickt kleingeredet wurde, ist jetzt
klar, dass Deutschland nach Italien und Frankreich das drittgrößte
EU-Truppenkontingent in den Libanon schicken will.
Nach Pressemeldungen
ist von mehr als 1.200 Soldaten die Rede. Fregatten und Schnellboote, ein
Spionageboot und Tornadokampfjets sollen zur Kontrolle der libanesischen
Küste eingesetzt werden.
"Verteidigungs"minister Jung spricht jetzt offen von einem
Kampfeinsatz der Bundeswehr, wo wochenlang nur von einer
"Friedensmission" geschwafelt wurde. Und er reklamiert eine
"dominante Rolle" für das deutsche Expeditionskorps. Die
Bundesmarine will das Kommando über alle schwimmenden Einheiten vor
Libanons Küste. Offiziell ist von einem Einsatzzeitraum bis zum
31. August 2007 die Rede, aber Jung erklärt schon mal vorbeugend:
"Ob es bei diesem Zeitraum bleibt, werden wir sehen."
Die Bundeswehreinsätze auf dem Balkan und in Afghanistan haben
gezeigt, wie aus einem Jahr rasch zehn werden.
Ex-Generalinspekteur
Kujat hat bereits Anfang August jedem, der es wissen wollte, erzählt, es
ginge bei der Libanon-Intervention nicht um einige Monate, sondern um viele
Jahre, wenn nicht um Jahrzehnte.
Für die deutsche
Militaristen-Meute ist der Libanon-Einsatz der endgültige Dammbruch. Die
bislang noch vorgebrachten "Argumente gegen ein militärisches Vorgehen in
Regionen, die auf dem Hintergrund der deutschen Geschichte belastet sind,
werden in wenigen Wochen erschöpft sein. Wenn Bundeswehrsoldaten in den
israelisch-libanesischen Konflikt eingreifen, wird es danach keinen Ort der
Welt mehr geben, an den zu gehen eine Bundesregierung mit Hinweis auf die
deutsche Vergangenheit ablehnen könnte." (Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung, 27.08.06)
Vier-Sterne-General (im Ruhestand) Klaus
Reinhardt durfte schon in der "Bild am Sonntag" vom 13.08.06 den israelischen
Militärs ein paar deutsche Landser-Lektionen erteilen. Die israelische
Aufklärung sei zu schlecht, der Einsatz der Bodentruppen sei zu spät
gekommen, das israelische Heer ginge "zögerlich und kraftlos vor".
Deutsche Politiker mahnten denn auch am heftigsten ein sog. "robustes" Mandat
für ihre Kämpfer im Libanon an.
NEIN zum Nahost-Einsatz der Bundeswehr!
Und der
"Verteidigungs"minister hat sich mit dem Finanzminister bereits über eine
"überplanmäßige" Aufstockung des Rüstungsetats um 400
Millionen Euro für das nächste Jahr verständigt. Weil die
Gelegenheit günstig scheint, hat er angekündigt, noch in diesem Jahr
Waffenbeschaffungen in Höhe von sechs Milliarden Euro auf den Weg zu
bringen. Darunter neue Fregatten, U-Boote und Panzerfahrzeuge für die
Interventionstruppen. Der Haushaltsausschuss hatte bereits in seiner letzten
Sitzung vor der Sommerpause 109 Millionen Euro für gepanzerte
Truppentransporter bewilligt.
Wie sehr sich die Militaristen im Aufwind
wähnen, zeigt auch das Auftreten des Ministers beim jüngsten
Militärhistorikerkongress. Dort pries er den deutschen Soldaten, der nicht
Sozialarbeiter, sondern "im Kern immer noch Kämpfer" sei und stellte den
preußischen Militaristen Helmut Graf von Moltke als Vorbild für die
Truppe heraus. Einen Mann, für den sich die edlen Tugenden des Menschen
erst im Krieg entfalteten. "So deutlich pflegten sich bisher allenfalls
pensionierte Generale öffentlich zu äußern." (FAZ
22.08.06)
Den Kongo-Einsatz der Bundeswehr bejubelte die
Bürgerpresse, weil es in der Debatte nicht um Menschenrechte, sondern um
Rohstoffe und Profitinteressen ging. Anläßlich der Intervention im
Nahen Osten wird das Zentralorgan des deutschen Großkapitals jetzt noch
grundsätzlicher: "Die Politiker müssen der deutschen
Öffentlichkeit beibringen, dass geschichtliche, humanitäre und
vordergründige materielle Erwägungen nicht der Grund dafür sind,
dass deutsche Soldaten zu Konfliktherden geschickt werden. Im Kern geht es um
etwas Grundlegenderes: Deutschland leistet seinen Beitrag zur Aufrechterhaltung
der herrschenden Weltordnung, von der es profitiert wie wenig andere
Länder." (FAZ 13.08.06)
Arno Neuber
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28.8.2006
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