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DKP-Aufruf zur EU-Wahl am 13.6.2004:
Fünf Forderungen der DKP
Wir Kommunistinnen und Kommunisten stellen folgende Forderungen in den
Mittelpunkt des Wahlkampfs:
1. Kein Ausbau der EU zur Militärmacht
- Von europäischem Boden darf nie mehr Krieg ausgehen. Deshalb: Streichung
aller Passagen zur militärischen Zusammenarbeit aus der EU-Verfassung.
Einstellung aller Maßnahmen zur Schaffung von
EU-Interventionsstreitkräften für Einsätze innerhalb und
außerhalb des EU-Territoriums. Verbot aller Auslandseinsätze von
EU-Streitkräften.
- Auflösung aller bestehenden EU-Militärgremien und
Führungsstäbe (Militärkomitee, Militärstab). Kein
"europäisches Hauptquartier" in Brüssel oder anderswo.
Keine "Europäische Rüstungsagentur" und kein
"Europäisches Amt für Rüstung, Forschung und
militärische Fähigkeiten".
- Rückzug aller Soldaten aus EU-Staaten aus dem Einsatz in Ländern
außerhalb der EU (Mazedonien, Afghanistan usw.).
- Beseitigung aller Massenvernichtungswaffen auf europäischem Boden
(einschließlich der Vernichtung der französischen und britischen
Kernwaffen und ihrer Trägersysteme).
- Stopp der Aufträge für den "Eurofighter", den
Großtransporter A 400 M und anderer High-Tech-Rüstungsprojekte zur
"Modernisierung" der Streitkräfte der EU-Staaten.
- Verwirklichung eines umfassenden Abrüstungsprogramms aller EU-Staaten.
Kürzung ihrer Militärausgaben innerhalb der nächsten vier Jahre
auf die Hälfte. Umstellung der Rüstungsindustrie auf zivile Produktion
ohne Vernichtung von Arbeitsplätzen. Aktives Eintreten der EU für
weltweite Abrüstung.
- Beseitigung aller Bindungen der EU an die NATO und an
Militäreinrichtungen der USA. Auflösung aller US-Stützpunkte in
Europa, Abzug aller US-Streitkräfte aus Europa. Auflösung der NATO.
- Für eine EU auf der Grundlage nichtmilitärischer
Konfliktlösungsstrategien und der Beseitigung der Ursachen von Konflikten
unter Einbeziehung aller europäischen Staaten.
2. Bessere Zukunftsaussichten und Förderung für junge Menschen
- Europaweite Ausbildungsplatzgarantie durch ein europäisches
Ausbildungsgesetz mit verbindlichen Bestimmungen für alle EU-Staaten, die
sicherstellen, dass jede und jeder in Europa einen zukunftsträchtigen
Beruf erlernen kann. Finanzierung der Ausbildung auf Kosten der Betriebe und
Unternehmen bzw. durch eine obligatorische Ausbildungsabgabe für alle
Unternehmen, die keine Ausbildungsplätze anbieten. Sicherung einer
Ausbildungsvergütung, die ein elternunabhängiges Leben
ermöglicht.
- Sicherung des kostenlosen Zugangs für alle jungen Menschen zu Schulen,
Bildung und Weiterbildung. Abschaffung aller Formen von Schulgeld in
öffentlichen Schulen, kostenlose Lehrbücher und
Unterrichtsmaterialien. Gewährleistung einer ausreichenden Zahl von
modernen Schulen in gutem Zustand mit einer entsprechenden Zahl von
qualifizierten Lehrkräften, um in kleinen Klassen eine individuelle
Förderung der Jugendlichen bis zu einem qualifizierten Schulabschluss zu
sichern.
- Europaweites Schüler- und Studentenstipendium für Schülerinnen
und Schüler ab 15 Jahren, das eine elternunabhängige Existenz
ermöglicht, für eine Dauer, die der durchschnittlich benötigten
Zeit bis zum entsprechenden Studienabschluss entspricht. Europaweites Verbot
aller Formen von Studiengebühren und ähnlichen Abgaben. Ausbau des
Netzes weiterbildender Schulen und Hochschulen mit einer dem steigenden Bedarf
angepassten Zahl von gut und modern ausgestatteten Studieneinrichtungen.
- Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit durch europaweite sozial- und
wirtschaftspolitische Maßnahmen, deren Wirksamkeit und Effektivität
jährlich und öffentlich überprüft wird.
- Verbesserung des europaweiten Jugend-, Schüler- und Studentenaustauschs
mit dem Ziel, dass jede und jeder Jugendliche vor Erreichen des 25.
Lebensjahrs mindestens einmal daran teilgenommen hat.
3. Stopp des Sozialabbaus und der Massenarbeitslosigkeit
- Radikale Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich
in allen EU-Staaten als Hauptweg zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit,
Einführung der 35-Stunden-Woche per EU-Gesetz. Verkürzung statt
Verlängerung der Lebensarbeitszeit, Rente ab 60 bzw. 55 Jahren.
- Umfassende staatliche Beschäftigungsprogramme auf nationaler und
europäischer Ebene, finanziert aus den Rüstungshaushalten und durch
höhere Steuern auf Unternehmerprofite, Spekulationsgewinne und
Großvermögen.
- Streichung der Verpflichtung der EU-Staaten auf eine kapitalistische
Wirtschaftsordnung unter der Bezeichnung "offene Marktwirtschaft"
aus der EU-Verfassung. Wiederherstellung der wirtschaftspolitischen
Handlungsfähigkeit der Mitgliedsstaaten ohne verfassungsmäßige
Festschreibung der Wirtschaftsordnung. Aufhebung des
EU-"Stabilitätspakts".
- Unterordnung der "Europäischen Zentralbank" unter die
politischen Entscheidungen des EU-Parlaments. Umgestaltung der Leitlinien
für die Tätigkeit der EZB durch Festlegung einer sozialstaatlichen
Verpflichtung für sie zur Förderung von Vollbeschäftigung und zur
Bekämpfung von Armut und Armutszonen in Europa.
- Einführung eines EU-weit geltenden garantierten persönlichen
Mindesteinkommens, das jedem Menschen ein Leben in Würde und die aktive
Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben ermöglicht.
- EU-weite Einführung von qualifizierten Mitbestimmungsrechten der
Beschäftigten und ihrer gewählten Vertretungen und Gewerkschaften auf
allen Ebenen des Wirtschaftslebens.
- Neufassung der europäischen Sozialcharta mit der Festlegung
verbindlicher sozialer Rechte und Mindeststandards in der gesamten EU, die eine
Angleichung "nach oben" auf die jeweils für die
Beschäftigten günstigsten Standards vorsehen.
- Aufhebung aller EU-Direktiven, die die Mitgliedsstaaten zur
Einschränkung der Sozialausgaben, zur Flexibilisierung der
Arbeitsverhältnisse, zur Privatisierung öffentlicher Dienste und der
sozialen Sicherungssysteme im Bereich der Gesundheits- und Alterssicherung
zwingen bzw. auffordern. Jegliche Liberalisierung der öffentlichen
Daseinsvorsorge ist zu stoppen, insbesondere die Energie- und Wasserversorgung
darf nicht dem ausschließlichen Profitdiktat der Großkonzerne
unterworfen werden.
4. Demokratie und Sozialstaat erneuern, mehr koordiniertes Handeln gegen
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus
- Nicht weitere Konzentration politischer Macht in einem EU-Superstaat, der
den Nationalstaaten übergestülpt und vorgeschaltet wird, sondern Abbau
und drastische Verkleinerung der zentralistischen EU-Bürokratie und ihrer
Regulierungssucht.
- Einführung von qualifizierten Mitbestimmungsrechten der Bürgerinnen
und Bürger im Sinne einer partizipativen Demokratie auf allen Ebenen des
gesellschaftlichen Lebens, von der Kommune über die Regionen und
Nationalstaaten bis zur EU-Ebene, durch Formen direkter Bürgerbeteiligung
an staatlichen Entscheidungen wie Volksentscheiden und Volksabstimmungen durch
Mitbestimmungsgremien von VertreterInnen nichtstaatlicher Organisationen unter
besonderer Berücksichtigung von Gewerkschaften und Jugendverbänden.
- Erweiterung der Rechte und Kompetenzen des Europäischen Parlaments und
der nationalen Parlamente. Abschaffung des alleinigen Initiativrechts der
"Europäischen Kommission" für das Zustandekommen von
EU-Gesetzen sowie der Gesetzgebungskompetenz des EU-Ministerrats.
Übertragung des alleinigen Rechts zum Erlass von EU-weit geltenden Gesetzen
an das EU-Parlament. Möglichkeit der Abberufung von EU-Abgeordneten durch
die Wähler auch während der Legislaturperiode bei Nichterfüllung
von Wahlversprechen und Wähleraufträgen.
- Aufhebung der in den EU-Staaten im Namen der "Bekämpfung des
Terrorismus" eingeführten Maßnahmen der verstärkten
polizeistaatlichen Bürgerüberwachung, der Einschränkung von
Bürgerrechten und Datenschutz, der Einführung von
elektronischen Fahndungs- und Bürgererfassungssystemen und
grenzüberschreitenden "Greiftrupps" sowie anderen
"Spezialeinheiten" und Dienststellen.
- Europaweite Einführung eines Staatsbürgerschaftsrechts, das sich
am Aufenthaltsort der betreffenden Menschen und nicht an der nationalen oder
ethnischen Herkunft und Abstammung orientiert. Gleiche politische Rechte
für alle in den EU-Staaten lebenden Immigrantinnen und Immigranten.
Gleiches Wahlrecht für alle in der EU lebenden Menschen bei allen Wahlen
und Abstimmungen einschließlich der Wahl der nationalen Parlamente.
- Sicherung und Garantierung eines ungeschmälerten Rechts auf Asyl in den
EU-Staaten für alle, die vor politischer, rassischer oder ethnischer
Verfolgung, vor Krieg, Hungersnot und Verelendung fliehen müssen.
- Aufhebung des Schengener Abkommens zur Abschottung der EU-Außengrenzen
gegen Flüchtlinge, Schluss mit der menschenrechtswidrigen
Abschiebungspraxis in den EU-Staaten.
- Verbot und Auflösung aller faschistischen und neofaschistischen,
ausländerfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Parteien und
Organisationen in der EU einschließlich der Unterbindung aller ihrer
öffentlichen Auftritte und Publikationen.
- Aufnahme eines Bekenntnisses zu der gemeinsamen europäischen Tradition
des antifaschistischen Widerstands in die EU-Verfassung. EU-weite Programme und
Maßnahmen zur Pflege des Vermächtnisses des Antifaschismus in der
Öffentlichkeit, besonders unter der Jugend, an Schulen und Hochschulen.
5. Für ein Europa der internationalen Partnerschaft und Solidarität
- Verzicht der EU auf alle imperialistischen Groß- und Weltmachtambitionen
als "global player". Statt dessen soll die EU für eine neue
Weltordnung der gleichberechtigten Partnerschaft und Solidarität mit allen
Staaten und Völkern der Erde ohne jede Führungsrolle und jeden
Führungsanspruch einzelner Staaten eintreten. Konsequentes Eintreten der EU
für die Beibehaltung und strikte Einhaltung des im Ergebnis des zweiten
Weltkriegs entstandenen Völkerrechts, wie es in der UNO-Charta festgelegt
ist. Respektierung der darin enthaltenen Grundsätze des
Selbstbestimmungsrechts der Völker und der souveränen Gleichheit aller
Staaten, des Verzichts auf Gewalt, der Achtung der territorialen Unversehrtheit
aller bestehenden Staaten und der Nichteinmischung in ihre inneren
Angelegenheiten.
- Gleichberechtigte partnerschaftliche Beziehungen der Solidarität und
Zusammenarbeit der EU mit allen Entwicklungsländern ohne alle
Vorbedingungen. Fairer Handels-, Wirtschafts- Wissens- und Technologieaustausch
mit dem Ziel der sichtbaren Reduzierung und schließlich der
Überwindung des
Entwicklungsrückstands dieser Länder und der
durch ihre kapitalistische Ausbeutung entstandenen
"Nord-Süd-Kluft", ohne ihnen die von kapitalistischem
Profitstreben bestimmten "westlichen" Wirtschafts- und Konsummodelle
aufzudrängen oder überzustülpen. Aufhebung aller Handelsbarrieren
der EU gegen Einfuhren aus Entwicklungsländern. Verzicht auf Exporte in
Entwicklungsländer, wenn dadurch die inneren Märkte gestört
werden.
- Eintreten der EU für die Beseitigung der Verschuldung der
Entwicklungsländer durch generelle Streichung ihrer Schulden - Teilnahme
der EU an entsprechenden internationalen Entschuldungsprogrammen.
Die DKP ruft auf:
Nehmen Sie an außerparlamentarischen Aktionen, Demonstrationen und
Streiks für eine andere Politik in Europa teil und unterstützen sie
das Stattfinden solcher Aktionen auch im Rahmen des EU-Wahlkampfs!
Unterstützen wir gemeinsam den europaweiten Aktionstag gegen
Kriegspolitik und Sozialabbau Ende März 2004!
Fördern Sie das Stärkerwerden der Gegenkräfte zum Europa der
Banken und Konzerne, zum Europa der Sozialabbau-, Militarisierungs-
und Kriegspolitik - durch Teilnahme und Unterstützung
außerparlamentarischer Aktivitäten wie durch aktive Mithilfe beim
Zustandekommen einer Kandidatur von einer alternativen Kraft, der DKP.
Geben Sie Ihre Stimme bei dieser Wahl für eine Alternative zum
imperialistischen Europa des Großkapitals, für ein anderes,
friedliches, soziales und demokratisches Europa ab! Stimmen für die DKP
sind Stimmen für die Sammlung und Zusammenführung derjenigen, die ein
anderes Europa wollen und das Zusammenwirken der alternativen linken und
demokratischen Kräfte befördern wollen!
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25.5.2004
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