Karl Marx (1818-1883)Friedrich Engels (1820-1895)Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924)Karl Liebknecht (1871-1919)Rosa Luxemburg (1870-1919)Clara Zetkin (1857-1933)Karl Wagner (1909-1983)Hilde Wagner (1924-2002)Wir (2004)
18.10.2005

Sophie Scholl (Die Weiße Rose)

Sophie Scholl

Sophie Scholl (9.5.1921 - 22.2.1943) war eine deutsche antifaschistische Widerstandskämpferin und Mitglied der Widerstandsgruppe "Weiße Rose".

Beim Verteilen ihres sechsten Flugblatts wurden die Geschwister Scholl am 18.2.1943 in der Münchner Universität beobachtet und verhaftet. Am 22.2.1943 wurden sie von Roland Freisler zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet.

Am 9. Mai 1921 wurde Sofia (später Sophia und Sophie) Magdalena Scholl in Forchtenberg, Oberamt Öhringen, als viertes Kind und dritte Tochter des Bürgermeisters Robert Scholl und seiner Ehefrau Magdalena geboren. 1928 wurde sie in Forchtenberg eingeschult. Nach Umzug der Eltern nach Ludwigsburg 1930 wurde dort die Volksschule besucht. 1932, nach erneutem Umzug, erfolgte der Eintritt in die Oberrealschule für Mädchen in Ulm.

Sophie Scholl wurde schon 1933 Jungmädel im Bund Deutscher Mädel (BDM). 1935 übernahm sie eine Jungmädel-Schaft (etwa 10 bis 12 Mädchen), 1936 wurde sie Jungmädel-Scharführerin (etwa 30 bis 40 Mädchen) und 1937 Jungmädel-Gruppenführerin (etwa 120 bis 160 Mädchen). Sie war, damals 16 Jahre alt, eine sehr engagierte und begeisterte Jungmädelführerin.

Im Herbst 1937 begann die Sechzehnjährige ein Liebesverhältnis (ihre Worte) mit Leutnant Fritz Hartnagel, den sie auf einer privaten Tanzveranstaltung kennen gelernt hatte. Sie unternahmen gemeinsame Fahrten.

1938 legte sie das Jungmädel-Amt nach Auseinandersetzung mit der Gaumädelführerin, so ihre Darstellung im Gestapo-Verhör, nieder. Andere Berichte nennen es eine Absetzung als Folge des Verfahrens gegen Hans Scholl wegen "bündischer Umtriebe". Sie wurde in das BDM (altersmäßig ist es das 1938 neu gegründete BDM-Werk "Glaube und Schönheit") übernommen. Hier begann ihre Distanzierung vom Nationalsozialismus. Der Prestigeverlust in der Schule durch Aufgabe ihrer Führungsstellung und die Abwendung früherer Kameradinnen mussten von ihr verarbeitet werden. Verbitterung war die Folge.

Über die Schulzeit berichten die beiden Autoren von Lebensbildern von Sophie Scholl, Hermann Vinke und Barbara Leisner wenig. Nichts, was anfangs auf ihre überdurchschnittlichen Interessen hinweist. Vinke: "Sie widmete dem Unterricht gerade so viel Aufmerksamkeit, wie zur Wahrung ihres Leistungsniveaus notwendig war." Das im Abitur gewählte Aufsatzthema war: "Die Hand, die die Wiege bewegt, bewegt die Welt".

Nach dem Abitur im Frühjahr 1940 begann sie, um dem Reichsarbeitsdienst zu entgehen, im Mai im Fröbel-Seminar in Ulm die Ausbildung zur Kindergärtnerin.

Im März 1941 machte Sophie Scholl ihr Examen als Kindergärtnerin. Sie schied nun kurz vor ihrem 20. Geburtstag aus dem BDM aus.

Ihre Hoffnung, jetzt studieren zu können, zerschlug sich. Sie musste zum Arbeitsdienst, der vom April bis Oktober 1941 dauerte. Er wurde in einem Lager in Krauchenwies bei Sigmaringen abgeleistet. Sophie verabscheute den Reichsarbeitsdienst in Form und Zusammensetzung. Sie distanzierte sich von Maiden und Führerinnen. Die Hoffnung, danach das Studium beginnen zu können, zerschlug sich wieder. Nach einer neuen Verordnung wurde der Arbeitsdienst in Form eines Kriegshilfsdienstes bis März 1942 verlängert. Sophie Scholl leistete ihren Dienst in einem NSV-Kinderhort in Blumberg/Baden.

Während der Zeit in Blumberg geriet sie in seelische Bedrängnis. Einerseits kam Fritz Hartnagel auf Wochenend-Besuche aus Weimar, andererseits verbrachte sie auch eine Nacht mit Otl Aicher, mit dem sie geistige Interessen sehr eng verband. (Otl Aicher betonte später, dass der Natur nicht nachgegeben wurde.)

1942 brachte den wohl entscheidenden Anstoß für die schließlich bewusste Entscheidung von Sophie Scholl, Widerstand zu leisten. Der kam aus einem Geschehen, von dem die Familie betroffen wurde: Die Anzeige einer Mitarbeiterin des Vaters über Äußerungen von Robert Scholl führten zu Gestapo-Verhören, einem Verfahren gegen den Vater und schließlich zu seiner Haft. Das wirkte auf Sophie viel direkter als auf Hans Scholl, da sie diese Zeit vom Februar (Gestapo-Vernehmung von Robert Scholl) bis November 1942 (Berufsverbot) weitgehend zu Hause miterlebte.

Anschließend an ihren Kriegshilfsdienst in Blumberg war sie die nächsten sechs Wochen bei den Eltern, half im Haushalt und im Büro. Hier erlebte sie diese Spannungen und Verunsicherungen in der Familie hautnah. Am 9. Mai 1942 begann sie ihr Studium der Biologie und Philosophie in München, kam aber oft übers Wochenende nach Hause.

In München spielten enge Kontakte zu dem Freundes- und Mentorenkreis von Hans Scholl eine wichtige Rolle. Hier erlebte Sophie eine bisher nicht gekannte kulturelle Vielfalt der noch äußerlich friedensmäßigen Universitäts- und Kulturstadt München unter lebhafter eigener Beteiligung: Modellieren, Zeichnen, Konzerte besuchen, Literatur- und Religionsdiskussionen. Und sie verliebte sich unglücklich in Alexander Schmorell, der die Gefühle nicht erwiderte.

Die Mitwisserschaft der Flugblattaktionen von Hans Scholl und Alexander Schmorell datiert noch vor Semester-Ende im Juli 1942.

Ende Juli war das erste Semester beendet und sie fuhr nach dem Abtransport der Mediziner-Studentenkompanie von Bruder Hans und Alexander Schmorell am 22. Juli 1942 zu den Eltern nach Ulm. Dort war inzwischen die Verhandlung gegen den Vater vor einem Sondergericht auf den 3. August 1942 festgesetzt worden . Die Tage davor waren durch Nervosität gekennzeichnet.

Das Urteil des Sondergerichts vom 3. August 1942 lautete für Robert Scholl auf vier Monate Gefängnis. Am 14. August kam die Nachricht, dass die Strafe am 24. August anzutreten sei. Am Tag davor traf die Nachricht ein, dass Inge Scholls Freund Ernst Reden in Russland gefallen war.

Überliefert ist der Ausspruch von Sophie Scholl: "Schluss. Jetzt werde ich etwas tun."

Sophie musste im August und September 1942 einen achtwöchigen Kriegsdiensteinsatz in einer Ulmer Rüstungsfabrik, der Schraubenfabrik Vernor, ableisten, kam aber abends immer nach Hause. Das Mittagessen konnte sie in der Nähe der Fabrik bei den Eltern ihrer Freundin Susanne Hirzel einnehmen. Aus dieser Zeit datiert die Einflussnahme auf Hans Hirzel, den jüngeren Bruder von Susanne. Sie konnte ihn noch in den Sommerferien 1942 veranlassen, einen gebrauchten Vervielfältigungsapparat mit dazugehörigen Matrizen und Abzugspapier für spätere Verwendungen zu kaufen. Der von Hans Hirzel überlieferte Ausspruch "Geld spielt keine Rolle" lässt die Frage offen, woher das Geld stammt. Sie könnte es schon im August/September 1942 von Eugen Grimminger erhalten haben, der den verhafteten Vater in dieser Zeit im Büro vertrat. Es kann sich aber auch um Geld handeln, das sie von Fritz Hartnagel erhalten hatte.

Der Fabrik-Einsatz war am 19. September beendet. Sie hielt sich ab diesem Zeitpunkt wieder mit einigen Unterbrechungen bis zum Semesterbeginn Mitte November in Ulm im Elternhaus auf. Auf Grund von Gnadengesuchen von Hans und Werner Scholl, der Mutter und Fritz Hartnagel wurden Robert Scholl zwei Monate seiner Haftstrafe auf Bewährung ausgesetzt.

Am 19. November 1942 erhielt Robert Scholl die Mitteilung über sein Berufsverbot. Sophie Scholl reagierte sehr betroffen, da damit der Lebensunterhalt der Familie und das Studium gefährdet waren. Sie hoffte aber auf das von ihr angenommene baldige Kriegsende.

Im Dezember 1942 und Januar 1943 geriet Sophie wieder in seelische Bedrängnis. Einerseits lebte die freundschaftlich/geistig enge Beziehung zu Otl Aicher, der mit ihrer Schwester Inge liiert war, während eines mehrtägigen Besuchs im Lazarett in Bad Hall wieder stark auf, andererseits kam der in Stalingrad verwundete Fritz Hartnagel, mit dem sie sich immer noch verbunden fühlte, per Lufttransport aus der eingeschlossenen Stadt heraus.

An den Aktionen um das 5. Flugblatt "Aufruf an alle Deutschen" im Januar 1943 nahm sie sehr aktiv teil. Nachdem Hans Hirzel in einem längeren Gespräch über die Weihnachtszeit 1942 von Hans und Sophie Scholl sowie Alexander Schmorell in der Wohnung der Scholls in Ulm voll eingeweiht worden war, bekam er den Auftrag, Kuverts für einen Versand in Stuttgart zu beschriften. Die Flugblätter dazu brachte Sophie am 25. Januar 1943 nach Ulm. Unterwegs gab sie noch Flugblätter in Augsburg auf.

Von den Mauerparolen erfuhr sie nachträglich und begrüßte sie. Die Tage der Hektik während und nach dem Besuch von Falk Harnack erlebte sie nicht in München. Sie war vom 5. abends bis 14. Februar abends in Ulm, pflegte ihre Mutter und verbrachte viel Zeit mit Otl Aicher, der als Soldat auf Urlaub war.

17. Februar: Hans Hirzel wird in Ulm von der Gestapo vernommen und nennt auch den Namen von Sophie Scholl als Absenderin eines Briefes. Er will Hans und Sophie Scholl darüber informieren und versucht ein verabredetes Code-Wort für "in Schwierigkeiten geraten" durchzugeben. Möglicherweise konnte Otl Aicher zumindest den Code noch telefonisch durchsagen. (Die Gestapo hatte eine Erklärung von Hans Hirzel für den Briefinhalt jedoch akzeptiert und nicht reagiert.)

18. Februar 1943: Verhaftung von Hans und Sophie Scholl in der Uni München, bei der von ihnen kurz vorher spontan beschlossenen Verteilung des 6. Flugblattes "Kommilitoninnen! Kommilitonen!"

22. Februar 1943: Schau-Prozess unter Robert Freisler und Hinrichtung von Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst wenige Stunden nach dem Todesurteil. Die Haltung von Sophie Scholl in den Verhören, während der Haft, im Prozess und auf dem Weg zur Hinrichtung fand bei allen, die sie sahen, Bewunderung.

© DKP Karlsruhe