Deutsche Kommunistische Partei Karlsruhe ('Wir')Karl Marx (1818-1883)Friedrich Engels (1820-1895)Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924)Karl Liebknecht (1871-1919)Rosa Luxemburg (1870-1919)Clara Zetkin (1857-1933)Karl Wagner (1909-1983)Hilde Wagner (1924-2002)Wir (2004) 
 · Start · Termine · Politik · DKP · Geschichte · Doku · Archiv · Suchen · Links · Impressum ·
 
Wer hätte gedacht,
dass Manager und Millionäre
für Sozialabbau (derzeit Hartz IV) sind?

Aufruf der Satten und Reichen

Am 2.10.2004 erschien in der Süddeutschen Zeitung auf Seite 13 eine ganzseitige Anzeige mit dem Titel: "Auch wir sind das Volk". Darin wird Hartz IV als "überlebensnotwendig" bezeichnet und Bundeskanzler Schröder ausdrücklich in seiner Politik unterstützt.

Unterschrieben war die Anzeige von 62 Personen, vorwiegend Managern und einigen Künstlern. Der Text ist an Zynismus nicht zu überbieten und enthält als eine Kernaussage: "Wir haben das Jammern über Deutschland satt".

Klar, dass Manager und Millionäre das Jammern derer satt haben, die vom Sozialabbau betroffen sind. Einem Sozialabbau, der von eben diesen Satten und Reichen immer gefordert und von ihrem Bundeskanzler Schröder vollzogen wurde. Folgerichtig unterstützen sie ihn daher auch "ungeachtet aller unserer sonstigen politischen Präferenzen". Gerhard Schröder ist eben nicht nur der Auto-Kanzler, nein, er ist der Kapital-Kanzler.

Und aus Sicht seiner Hintermänner macht er eine richtige Politik, die sie "in einer großen Koalition" (angeblich der Vernunft) unterstützen. Mehr noch, er wird zu einer schärferen Gangart aufgefordert: "Jetzt hilft nur noch ein radikaler Kurswechsel."

Es ist sehr fraglich, ja sogar äußerst unwahrscheinlich, dass einem Kanzler aus der CDU/CSU eine solche Politik so leicht und vor allem mit so wenig Gegenwehr der Gewerkschaften gelungen wäre. Wie es übrigens diesem Kanzler Schröder ja auch schon mit geringer Gegenwehr gelungen ist, Deutschland wieder kriegsfähig und kriegsführend zu machen. Das sind wahrhaft historische Erfolge der "Sozial"demokratie! Und insofern wundert uns nicht, dass eine Riege von Managern ihren Kanzler lobt und zum Durchhalten auffordert.

Aber das Blatt wendet sich, es bleibt nicht beim Jammern. Die Montagsdemos zeigen, dass es ein großes und vor allem entwicklungsfähiges Protestpotenzial gibt. Es gibt viele Menschen, denen das bloße Jammern nicht ausreicht; die auf die Straße gehen, die protestieren und damit genau das machen, was einzig und allein "die-da-oben" das Fürchten lehren kann:
Protest, Protest, Protest.
Viele Menschen auf der Straße,
mehr Menschen auf der Straße,
Millionen Menschen auf der Straße.

Dann und nur dann werden "denen-da-oben" die Knie schlottern. Dann hilft auch keine ganzseitige Anzeige mehr! Dann kann der Sozialabbau rückgängig gemacht werden!

Vor den Montagsdemos fürchten sie sich bereits jetzt. Oder würden sie sie sonst so kleinreden? Würden sie sonst mit ganzseitigen Anzeigen die Menschen davon abzuhalten versuchen, sich an den Montagsdemos zu beteiligen (was ja wohl die Hauptfunktion dieser Anzeige ist)? Würden sie sonst derart frech lügen:
"überlebensnotwendig für den Standort Deutschland",
"versprochen, was nicht zu halten war",
"nichts zu tun, wäre verantwortungslos",
"wir bezahlen unsere Steuern in diesem Land".

Nicht gelogen dagegen ist: "Wer mutig ändert, was" [angeblich] "geändert werden muss, hat uns auf seiner Seite."


Hier der Originaltext der Anzeige:

AUCH WIR SIND DAS VOLK

Die unter dem Angst machenden und abschreckenden Schlagwort Hartz IV beschlossenen Änderungen in der Arbeitslosen- und Sozialhilfe sind überlebensnotwendig für den Standort Deutschland.
Der ist gepflastert mit den Grabsteinen verblichener Chancen. Totengräber sind in allen Parteien zu Hause.
In der Vergangenheit haben alle Regierungen dem Wähler versprochen, was nicht zu halten war.

Umso schmerzlicher ist nun die Stunde der Wahrheit. Jetzt hilft nur noch ein radikaler Kurswechsel.
Solche Einschnitte tun weh wie alle schweren Operationen, aber aus Furcht vor Schmerzen nichts zu tun, wäre verantwortungslos.

Nur Demagogen, die ihre Zukunft hinter sich haben, reden dem Volk nach dem Maul. Ihre Rezepte sind so simpel wie ihre Motive durchsichtig.

Deshalb unterstützen wir Bundeskanzler Gerhard Schröder - ungeachtet aller unserer sonstigen politischen Präferenzen - in einer großen Koalition der Vernunft. Wir hoffen, dass er den Parolen der Populisten von links und rechts, die gnadenlos die Sorgen der Betroffenen für ihre Zwecke ausbeuten, Stand hält.

Wir, die Initiatoren dieser Anzeige, wählten und wählen ganz unterschiedliche Parteien. Wir arbeiten in diesem Land, wir bezahlen unsere Steuern in diesem Land, wir bekennen uns zu diesem Land.
Wir haben das Jammern über Deutschland satt.

Wer mutig ändert, was geändert werden muss, hat uns auf seiner Seite.

Georg Althammer
Peter Amberger
Wolfgang Berghofer
Roland Berger
Manfred Bissinger
Dr. Wilhelm Friedrich Boyens
Hero Brahms
Uwe Bremer
Jürgen Conzelmann
Dr. Volker Christians
Harald Eschenlohr
Joachim Fehling
Dr. Thomas Fischer
Dr. Michael Frenzel
Nicola Fortmann-Drühe
Hans-Jürgen Fip
Jürgen Flimm
Götz v. Fromberg
Dr. Werner Funk
Heiko Gebhardt
Prof. Dr. Peter Glotz
Günter Grass
Dr. Jürgen Großmann
Ullrich Grillo
Dr. Dieter Hundt
Michael Jürgs
Dr. Wolfgang Kaden
Wilhelm Dietrich Karmann
Dr. Hans-Peter Keitel
Dr. Walter Klosterfelde
Detlef Kloß
Werner Knopf
Dr. Martin Kohlhaussen
Dr. Hartmut Krafft
Dr. Bernd Laudien
Prof. Rolf-Dieter Leister
Klaus Liedtke
Johann C. Lindenberg
Markus Lüpertz
Walter Mennekes
Dr. Thomas Middelhoff
Dr. Werner Müller
Marius Müller-Westernhagen
Michael Nesselhauf
Friedrich Päfgen
Jim Rakete
Dr. Eberhard Reuther
Dr. Michael Rogowski
Prof. Albert Speer
Dr. Bernd-Georg Spies
Bernd Schiphorst
Dr. Walter Schlebusch
Gerd Schulte-Hillen
Dr. Klaus Schumacher
Helmut Thoma
Gunter Thielen
Dr. Dieter H. Vogel
Dr. Christoph Walther
Jürgen Weber
Prof. Dr. Uwe Wesel
Dr. Kurt Wessing
Dr. Wendelin Wiedeking

V. i. S. d. P.:
Manfred Bissinger, Harvestehuder Weg 42, 20149 Hamburg,
Michael Jürgs, Isestraße 55, 20149 Hamburg

Hier die 62 Unterzeichner:
Sollte unsere Internetrecherche zu einer Verwechslungen oder einem Irrtum geführt haben, so bitten wir um Entschuldigung und um einen entsprechenden Hinweis.
(Stand: Oktober 2004)

» Funktionäre des Kapitals:
Dr. Dieter HundtArbeitgeberpräsident (=Präsident: Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände [BDA]) • Vizepräsident: Vereinigung der Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände Europas (UNICE) • Präsident: Landesvereinigung Baden-Württembergischer Arbeitgeberverbände • Vorsitzender: Gemeinschaftsausschuss der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft • Mitglied der Vollversammlung: IHK Stuttgart • 1. Vizepräsident: Deutsche Handelskammer in Österreich • Geschäftsführender Gesellschafter: Allgaier Werke GmbH • Aufsichtsratsvorsitzender: Stauferkreis Beteiligungs-AG, Stuttgarter Hofbräu Verwaltungs AG, VfB Stuttgart • Aufsichtsratsmitglied: Deutschen Telekom AG, Stuttgarter Hofbräu AG, EvoBus GmbH (Tochter der DaimlerChrysler AG) • Verwaltungsratsmitglied: Landesbank Baden-Württemberg • Beiratsmitglied: Allianz Gesellschaften, Allianz Versicherungs-AG Baden-Württemberg, HDI Industrie Versicherung AG, HDI Privat Versicherung AG
Dr. Michael RogowskiPräsident: Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) • Vorstandsmitglied: Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) • Vorsitzender des Gesellschafterausschusses: Voith AG • Aufsichtsratsvorsitzender: Voith AG • Aufsichtsratsmitglied: European Aeronautic, Defense and Space Company EADS; HDI Haftpflichtverband der Deutschen Industrie; IKB Deutsche Industriebank; Deutschen Messe AG; KSB AG • Verwaltungsratsmitglied: KfW Kreditanstalt für Wiederaufbau • Unternehmensratsmitglied: Stiftungsunternehmen Carl Zeiss
» Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder:
Hero BrahmsVorstandsmitglied: Linde AG (bis 30.6.2004) • Aufsichtsratsmitglied: Deutsche Post AG, KarstadtQuelle AG, Georgsmarienhütte Holding GmbH • Kuratoriumsmitglied: Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz
Harald EschenlohrRechtsanwalt • Vorstandsmitglied: Germania Vermögensanlagen AG • Aufsichtsratsmitglied: Surteco AG • Kuratoriumsmitglied: Thomas-Mann-Förderkreis München
Dr. Michael FrenzelVorstandsvorsitzender: TUI AG • Aufsichtsratsvorsitzender: Deutsche Bahn AG • Aufsichtsratsmitglied: Continental AG, Volkswagen AG, AXA Konzern AG • Wirtschaftsbeirat: RWE
Wilhelm Dietrich KarmannGeschäftsführender Gesellschafter: Wilhelm Karmann GmbH • Beiratsmitglied: Deutsche Bank AG, AXA Konzern AG • Vizepräsident: IHK Osnabrück-Emsland • Vorstandssprecher: Verein für Wirtschaftsförderung Osnabrück (WFO) • Bundesvorstandsmitglied: Wirtschaftsrat der CDU • Mitglied im Mittelstandskreis des VDA (Verband der Automobilindustrie)
Dr. Hans-Peter KeitelVorstandsvorsitzender: Hochtief AG
Dr. Martin KohlhaussenAufsichtsratsvorsitzender: Commerzbank AG, Hochtief AG • Aufsichtsratsmitglied: ThyssenKrupp AG, Schering AG, Bayer AG, Infineon Technologies AG, Heraeus Holding GmbH, Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck
(noch in Arbeit...)
Dr. Hartmut Krafft
Dr. Bernd Laudien
Walter Mennekes
Dr. Eberhard Reuther
Prof. Albert SpeerFrankfurter Stararchitekt
Dr. Bernd-Georg Spies
Dr. Walter Schlebusch
Dr. Christoph Walther
Jürgen Weber
Dr. Wendelin WiedekingPorsche-Manager
» Künstler:
Jürgen Flimm
Günter GrassSchriftsteller, Literatur-Nobelpreisträger, Werbetrommmler für die SPD, hat noch am 19. Mai 2003 bei Klaus Staeck einen Aufruf unterschrieben: "Reformen müssen von allen getragen werden", radikaler Sinneswandel in immerhin 17½ Monaten. Die Telepolis schrieb dazu unter dem Titel "Wie Günter Grass auf den Hundt gekommen ist":
"Moralische Empörung ist schließlich das Kennzeichen eines engagierten Intellektuellen. Eine gute Bestätigung für eine solche Aktivität war lange Zeit ein Ausschlussverfahren aus der SPD. Über den ewigen Sozialdemokraten Günter Grass, der schon Mitte der 60er Jahre Wahlkampf für Willy Brandt gemacht hatte, spotteten manche vor 30 Jahren, er würde alles für ein SPD-Ausschlussverfahren ehrenhalber tun. Doch die Partei wollte ihm diese Freude nie machen. So trat der Schriftsteller Anfang der 90er Jahre ehrlich empört über die von der SPD mitverabschiedete Asylgesetzgebung ganz freiwillig aus seiner Mutterpartei aus. Inzwischen ist zwar das Asylrecht noch rigider geworden, aber Grass hat sich mit der SPD schon längst wieder versöhnt.
Jahrelang hat der edle Streiter mit seinen Unterschriften in der Regel den Schulterschluss mit den kleinen Leuten gesucht und den Regierenden mal gehörig die Meinung gegeigt. Doch der Vorrat an moralischer Empörung scheint bei Grass zur Neige gegangen zu sein."

Marius Müller-Westernhagen
Jim Rakete
» weitere:
Georg Althammer
Peter Amberger
Wolfgang Berghofer
Roland BergerChef der Arbeitsplatzvernichtungsfirma Berger
Manfred Bissinger
Dr. Wilhelm Friedrich Boyens
Uwe Bremer
Jürgen Conzelmann
Dr. Volker Christians
Joachim Fehling
Dr. Thomas Fischer
Nicola Fortmann-Drühe
Hans-Jürgen Fip
Götz v. Fromberg
Dr. Werner Funk
Heiko Gebhardt
Prof. Dr. Peter Glotz
Dr. Jürgen Großmann
Ullrich Grillo
Michael Jürgs
Dr. Wolfgang Kaden
Dr. Walter Klosterfelde
Detlef Kloß
Werner Knopf
Prof. Rolf-Dieter Leister
Klaus Liedtke
Johann C. Lindenberg
Markus Lüpertz
Dr. Thomas Middelhoff
Dr. Werner Müller
Michael Nesselhauf
Friedrich Päfgen
Bernd Schiphorst
Gerd Schulte-Hillen
Dr. Klaus Schumacher
Helmut Thoma
Gunter Thielen
Dr. Dieter H. Vogel
Prof. Dr. Uwe Wesel
Dr. Kurt Wessing

19.10.2004

Inhalt:

» Aufruf der ...
» Originaltext
» Unterzeichner



© Deutsche Kommunistische Partei (DKP), Karlsruhe