[an error occurred while processing this directive] [an error occurred while processing this directive]
 
OB-Wahl in Karlsruhe:

Sieg und Ohrfeige zugleich

Die OB-Wahl vom 3.7.2006 brachte dem Amtsinhaber Fenrich (CDU) einen Sieg von über 55 Prozent der abgegebenenen gültigen Stimmen. Zugleich erhielt er eine schallende Ohrfeige, da die Wahlbeteiligung von 30 Prozent beweist, dass nur die wenigsten Wählerinnen und Wähler hinter ihm und seiner Politik stehen.

Hier die Ergebnisse, wie sie üblicherweise gerechnet und dargestellt werden:


Wahlberechtigte 207.111
Abgegebene Stimmen 62.794 30,32%
Ungültige Stimmen 522
Gültige Stimmen 62.272
Heinz Fenrich (CDU) 34.571 55,52%
 
Ute Müllerschön (SPD) 15.483 24,86%
 
Klaus Stapf (Grüne) 5.277 8,47%
 
Jürgen Wenzel (BüKa) 1.251 2,01%
 
Helmut G. Ringger 202 0,32%
 
Andreas Swoboda 302 0,48%
 
Lüppo Cramer (KAL) 5.135 8,25%
 
Sonstige 51 0,08%
 

Üblicherweise werden die Prozentsätze wie folgt berechnet:

  • die "Abgegebenen Stimmen" ( = Wahlbeteiligung) als Anteil der "Wahlberechtigten";
  • die "Ungültigen Stimmen" und die "Gültigen Stimmen" als Anteil der "Abgegebenen Stimmen";
  • die Stimmen der Bewerber als Anteil der "Gültigen Stimmen".

Effektiv werden also die Stimmen der Bewerber als Anteil der "Abgegebenen gültigen Stimmen" dargestellt.

Außerdem werden die Balken immer schön breit dargestellt, damit sie nach viel aussehen.

Den OB auf das rechte Maß zurückgestutzt

Hier nun die Ergebnisse, wie sie realistisch gerechnet und dargestellt werden sollten:


Wahlberechtigte 207.111
WählerInnen 62.794 30,32%
 
NichtwählerInnen 144.317 69,68%
 
Ungültige Stimmen 522 0,25%
 
Gültige Stimmen 62.272 30,07%
 
Heinz Fenrich (CDU) 34.571 16,69%
 
Ute Müllerschön (SPD) 15.483 7,48%
 
Klaus Stapf (Grüne) 5.277 2,55%
 
Jürgen Wenzel (BüKa) 1.251 0,60%
 
Helmut G. Ringger 202 0,10%
 
Andreas Swoboda 302 0,15%
 
Lüppo Cramer (KAL) 5.135 2,48%
 
Sonstige 51 0,02%
 

Alle Prozentsätze wurden als Anteil der "Wahlberechtigten" berechnet und dargestellt.

Auf diese Weise wird das Fiasko der Wahl überdeutlich:

  • Sieger der Wahl sind die NichtwählerInnen;
  • der Vertrauensschwund ist so groß, dass er mit Balken kaum noch darstellbar ist;
  • der zum Sieger erklärte Heinz Fenrich (CDU) konnte nur ein Sechstel der Stimmen der Karlsruher Bürgerinnen und Bürger einheimsen.

Zweifellos wäre es besser gewesen, die große Zahl der Unzufriedenen wäre zur Wahl gegangen und hätte ungültig gestimmt. Dann wäre die Unzufriedenheit greifbarer gewesen.

So aber können sich die Abgewatschten mit dem heißen Wetter oder der Fußballweltmeisterschaft herausreden. Oder mit der vielstrapazierten "Politikverdrossenheit".

Verdrossenheit

Mit "Politikverdrossenheit" meinen diese Herrschaften aber etwas anderes als wir. Sie meinen, die Bürgerinnen und Bürger wären prinzipiell politikverdrossen und würden sich für Politik einfach nicht interessieren.

Wir hingegen meinen, dass die Leute von der Politik verdrossen sind, die tagtäglich gemacht wird. Und wir meinen, dass die Leute "politikerverdrossen" sind, also von den Politikern verdrossen, die diese Politik tagtäglich machen und zu verantworten haben.

Die Leute haben die Schnauze voll, und das zu Recht. Und stimmen - wie man so sagt - mit den Füßen ab.

Direkte Demokratie

Demgegenüber liegen die Hürden sehr, sehr hoch, wenn es um die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an politischen Entscheidungen geht.

Zitat aus der Gemeindeordnung Baden-Württembergs:

§ 21 Bürgerentscheid, Bürgerbegehren

(6) Bei einem Bürgerentscheid ist die gestellte Frage in dem Sinne entschieden, in dem sie von der Mehrheit der gültigen Stimmen beantwortet wurde, sofern diese Mehrheit mindestens 25 vom Hundert der Stimmberechtigten beträgt.


Hier ist also ein Quorum von 25% gefordert.

Wohlgemerkt: 25% der Stimmberechtigten!

Würde man diese Kriterien an die OB-Wahl anlegen, dann wäre die Wahl ungültig gewesen.


4.7.2006
[an error occurred while processing this directive]