Gesundheit ist
keine Ware, sondern
ein Menschenrecht
Seit 30 Jahren "doktern" wechselnde Regierungen - unterstützt
oder getrieben von Pharma-Konzernen und hochbezahlten Lobbyisten - am
Gesundheitswesen herum.
Vom "Krankenversicherungskostengesetz" bis zum
"Wettbewerbsstärkungsgesetz" ging es immer um
"Kostendämpfung". Verstanden wurde darunter nichts anderes als
der Abbau von medizinischen Leistungen und das Abwälzen von Kosten auf die
Bevölkerung.
Die durchschnittliche Umsatzrendite der Pharmaindustrie lag im Jahr 2002
bei 20 Prozent, bei den großen Konzernen sind es 45 Prozent. Wieviel Geld
diese Multis scheffeln, zeigt sich schon daran, dass sie jährlich 5 Mrd
Euro für Werbung ausgeben können.
Auch bei der gegenwärtigen Gesundheits"reform" geht es am
allerwenigsten um Gesundheit. Vielmehr geht es um die Verwandlung des
Gesundheitswesens in einen kapitalistischen Markt mit gigantischen
Profitmöglichkeiten für privates Kapital. Es geht um die Interessen
des Pharma-Kapitals und des medizinisch-technisch-industriellen Komplexes.
Gesundheit ist aber keine Ware, die ge- und verkauft werden kann.
Gesundheit ist ein unveräußerliches Grundrecht.
Wir wollen eine optimale, kostenlose Gesundheitsversorgung und -vorsorge
für alle, unabhängig von Geldbeutel, sozialer Stellung, Hautfarbe und
Herkunft.
Wir wehren uns gegen eine Klassenmedizin, die nach dem Prinzip funktioniert.
"Wer arm ist, muss früher sterben". Unternehmerverbandsboss
Hundt hat schon vor Jahren die Reduzierung der medizinischen Versorgung der
Bevölkerung auf einen "Grundstandard" gefordert. Nur wer genug
Geld hat, soll sich zusätzliche medizinische Leistungen kaufen
können.
Würden alle in eine einheitliche Krankenkasse einzahlen,
könnten die Verwaltungskosten gesenkt, die Werbeausgaben eingespart
werden. Die Kassen müssten sich gegenseitig auch keine Mitglieder
abspenstig machen.
Wir wehren uns gegen Privatisierung und Teilprivatisierung im
Gesundheitswesen. Bei Privatisierung geht es in erster Linie um
Profitmöglichkeiten für die Anleger und nicht um die Bedürfnisse
und Interessen der Menschen, die ein Recht auf bestmögliche
Gesundheitsversorgung haben. Inzwischen reißen sich etwa 20 Klinikketten
und -konzerne weltweit immer mehr Krankenhäuser unter den Nagel und
wandeln sie in Profitquellen um.
Das weitgehend privatisierte Gesundheitswesen der USA zeigt uns, wie Arme,
Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen von Leistungen ausgegrenzt
werden. Das widerspricht allen Grundsätzen einer solidarischen
Gesundheitspolitik.
Bereits erfolgte Privatisierungen im Gesundheitswesen müssen
rückgängig gemacht werden. Kapitalverwertung und menschenwürdige
Gesundheitsversorgung schließen sich aus.
Das Gesundheitswesen in Deutschland ist darauf ausgerichtet, die
Arbeitskraft von kranken Menschen wieder herzustellen. Aber es ist nicht darauf
eingestellt, die Gesundheit der Menschen zu erhalten und zu fördern.
Für Vorsorge und Gesundheitsförderung werden nur 4 Prozent der Mittel
eingesetzt, für "Reparatur" aber 90 Prozent.
Die Macht der Konzerne im Gesundheitswesen und in der Gesellschaft muss
beschränkt und letztlich gebrochen werden. Stattdessen brauchen wir mehr
demokratische Kontrolle im Gesundheitswesen. Beschäftigte, Patienten,
Versicherte brauchen mehr Mitsprache- und Kontrollrechte.
Die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Beschäftigten im
Gesundheitswesen müssen verbessert werden. Das kommt auch einer besseren
Betreuung der Patienten zugute.
Wir wollen Gesundheits- statt Krankheitspolitik. Wir sind für
Gesundheitsprävention statt eines Reparaturbetriebes für die Ware
Arbeitskraft.
Krank machende Arbeits-, Wohn- und Umweltverhältnisse müssen
bekämpft und geändert werden.
Stoppt die Umwandlung des Gesundheitswesens in eine Profitmaschine!
Wir wehren uns gegen Versuche zur Militarisierung des Gesundheitswesens. Die
Bundeswehr hat in den Krankenhäusern und Kliniken nichts zu suchen. Der
Rüstungshaushalt muss zugunsten sozialer Aufgaben gekürzt werden.
Die Praxis des Gesundheitswesens gleicht einem Rettungsschwimmer, der
dauernd Menschen aus einem Fluss zieht und dann wiederbelebt, sich aber nicht
fragt, wer denn flussaufwärts dauernd Menschen ins Wasser
stößt.
Wir wehren uns dagegen, den abhängig Beschäftigten immer
höhere Kosten für die Krankenversicherung aufzubürden und
gleichzeitig die Unternehmer zu entlasten. Schon heute ist die Parität
(gleiche Anteile) bei den Krankenkassenbeiträgen nicht mehr gegeben.
Leistungskürzungen und Zuzahlungen für Medikamente und
Heilbehandlungen, Praxis und Krankenhausgebühren müssen
rückgängig gemacht werden.
Wir wollen, dass Selbständige, Beamte, Politiker, Arbeiter und
Angestellte in eine einheitliche Gesundheitskasse einbezahlen. Kassen mit
unterschiedlichen Leistungen und Beiträgen für Arme und Reiche lehnen
wir ab. Wir brauchen nicht mehr Wettbewerb, sondern mehr Solidarität im
Gesundheitswesen.
Beiträge zur Krankenversicherung müssen auf alle Einkommensarten
erhoben werden, insbesondere auch auf Gewinne.
Aus den Gewinnen der Konzerne muss eine Gesundheitsabgabe zur Finanzierung
von Gesundheitsprogrammen erhoben werden.
Leistungskürzungen und Ausgrenzung im Gesundheitswesen wurden zuerst
an Flüchtlingen und Asylbewerbern "ausprobiert".
(Asylbewerberleistungsgesetz)
Entsolidarisierung nützt nur den Herrschenden und ihrer Politik.
Deshalb: Lassen wir uns nicht spalten! Leisten wir gemeinsam Widerstand!
1997 hat die Bundesregierung die Vermögensteuer gestrichen. Allein
dadurch wurden den Reichen seither 160 Mrd Euro geschenkt und den sozialen
Sicherungssysthemen entzogen. Die Unternehmenssteuerreform hat die
öffentlichen Haushalte bereits in den Jahren 2000 bis 2004 rund 100 Mrd
Euro gekostet, während die Konzerne über Profitrekorde jubeln. Auch
dieses Geld fehlt in den Sozialetats.
Und diese "Selbstbankrottierung" wird dann noch als Argument
dafür verwendet, den Arbeitslosen, abhängig Beschäftigten,
Kranken, Rentnern, Studierenden Leistungen zu kürzen und höhere
Gebühren und Abgaben aufzuhalsen. Diese permanente Umverteilung zugunsten
des großen Kapitals muss gestoppt und umgekehrt werden.
Wir begrüßen und unterstützen die betrieblichen und
öffentlichen Aktionen von Beschäftigten im Gesundheitswesen und ihrer
Gewerkschaft ver.di gegen die Demontage des Gesundheitswesens.
Wir fordern das Recht auf politische Streiks und zum Generalstreik. Das sind
dringend gebotene Rechte bei der Verteidigung der sozialen Errungenschaften der
arbeitenden Menschen.
Dies ist ein gemeinsames Flugblatt von:
Deutsche Kommunistische Partei (DKP)
&
Sozialistische Linke (Soli) Karlsruhe
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